Old School Fanzines

Old-School-Blogger ersinnen gerne Regelvarianten oder spielbaren “Content”, den sie über ihre Blogs teilen. Doch einige von ihnen sind so “old school”, dass sie diese Inhalte auch in einem “authentischen” Old-School-Format veröffentlichen. Gerade die OSR (Old School Renaissance) hat sich der Fanzines erinnert und zu neuer Blüte geführt.

Rumgecrawle hat schon einen ganzen Schwung von Fanzines ausgemacht, die allein für das System DCC erscheinen, doch die sind nur das I-Tüpfelchen einer ganzen Flut von Zines, die sich den diversen Versionen des klassischen D&D widmen.

Den Startschuss hat das mittlerweile legendäre Fight On! gemacht, das von 2008 an etwa vierteljährlich erschien und heute leider ruht. Herausgeber “Ignatius Ümlaut” hat dazu Artikel aus der Blogger- und Forum-Community aus aller Welt eingesammelt (u.a. Jeff Rients, James Raggi, James Maliszewski, Glgnfz, Kensanata) sowie alte Recken der Szene reaktiviert, darunter Zeitgenossen von Gygax und Arneson (Bob Bledsaw II, Steve Marsh, Jim Ward, Tim Kask, Michael Monard, Rob Kuntz), aber auch Autoren anderer Systeme jener Tage (Ken St. Andre) sowie Story Gamer (Paul Czege, Ron Edwards, Vincent Baker). Jede Ausgabe hatte über 100 Seiten (A4) und brachte eine Mischung aus neuen Regeln (Klassen, Zauber, Monster), Abenteuern (z.B. Übersetzungen von Gabor “Melan” Lux‘ Fomalhaut-Kampagne) und Erinnerungen von Veteranen.
Parallel zu Fight On! hat Swords & Wizardry-Macher Mythmere ein ähnliches Fanzine gestartet, Knockspell (das mir noch ein bisschen besser gefallen hat, weil es halt S&W-nah war). Auch hier hat Melan Fomalhaut-Abenteuer beigesteuert, und auch dieses Magazin ist nach einer Odyssee durch die Verlage leider eingeschlafen.
Zwei weitere “große” Fanzines (vom Format – A4 – und Umfang her) sind Oubliette und Nod. Peter Regan, der Macher von Oubliette, ist ein sehr aktiver britischer OSR-Geselle, der einen Kickstarter nach dem anderen macht – und extrem schnell und zuverlässig erfüllt. Seine Kickstarter sind häufig spielunterstützendes Material wie Lesezeichen, Hexblöcke, Bierdeckel… Sein Oubliette ist mittlerweile auch in Sammelbänden erhältlich (siehe den Sidebar in dem Link), und John Staters Nod habe ich im August schon einmal erwähnt.
All diesen “großen” Fanzines ist gemein, dass sie eher aufwändig gemacht sind, und vor allem einige Ausgaben von Knockspell und Nod auch als professionelle Magazine durchgehen würden.

Das “richtige” Fanzine-Flair wird jedoch von den kleinen Zines hervorgerufen, die noch/wieder sehr handgemacht und tatsächlich wie ein Fenster in die Vergangenheit wirken. Viele von ihnen sind die schon erwähnten DCC-Zines, aber es gibt auch “allgemeine” OSR/xD&D-Zines.

OSR Fanzines

Das Verblüffende an diesen kleinen Zines ist, dass sie sich fast alle zu einer gemeinsamen Motivation bekennen: Etliche dieser Zines bedanken sich in ihrer ersten Ausgabe bei Christian Walker, der mit seinem Loviatar einen wunden Punkt getroffen zu haben scheint und eine Welle an “Nachmachern” auf den Plan gerufen hat.

Loviatar Cover

Das Zine, das leider auch wieder eingeschlafen ist, war das Paradebeispiel eines Egozines – ein Fanzine, das zu fast 100% aus der Feder eines Autors stammt. Loviatar war – wie auch Christians Blog – ein “Steam of Consciousness” und dokumentierte, mit welchen Systemen und Kampagnen er sich jeweils gerade beschäftigte.

Einige Blogger/Zine-Macher haben das Format auch benutzt, um Mini-Module zu veröffentlichen, z.B. Dylan Hartwell oder Jason Sholtis. All diesen Titeln ist gemein, dass sie nur kurzfristig zu haben waren, weil sie nur in einer einmaligen Copyshop-Auflage erschienen.

Zogorion Cover

Es soll nicht verschwiegen werden, dass es auch vor den OSR-Print-Zines Old-School-Aktivitäten gab – der echte Veteran in dieser Szene ist das E-Zine Footprints, das schon lange vor Fight On! AD&D-kompatibles Material gesammelt hat. Und in der Reihe der E-Zines, wenn auch viel später, muss auch Encounter erwähnt werden.

Dies ist ein Beitrag des Rollenspiel-Karnevals “Fanzines”, der im November 2015 begangen wird. Teilnehmende Blogs werden in dem Eröffnungsbeitrag auf RSP-Blogs.de gelistet.

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Rollenspiel auf dem Vienna Comic Con

VIECC2015
Am letzten Wochenende war die Premiere einer neuen Messe, die als etwas völlig Neues gehypt wurde: der erste Comic Con nach amerikanischem Vorbild, der auf europäischem Boden abgehalten wird. Und wer weiß, wie diese Veranstaltungen aussehen, wird auch nicht der falschen Erwartung aufgesessen sein, dort das Titelthema “Comic” im Fokus zu sehen, denn solche Messen sind längst zu Multimediamessen geworden, mit einer Konzentration auf Kino und TV. Wie wenig “Comic” dann tatsächlich zu sehen war, hat mich dennoch überrascht.
Und ich war auch gespannt, was ich dort an Rollenspielthemen entdecken würde – Ludus Leonis hatte sein Erscheinen ja angekündigt.

Die VIECC (“Vienna Comic Con“) ging über zwei Tage. Es war rappelvoll in der Halle, die Messe war bereits im Vorfeld ausverkauft. Leider gab es für die Besucher nicht so richtig viel zu tun oder zu sehen, denn das ist schon fast die gesamte Halle gewesen:VIECC_Halle

Am anderen Ende des Geländes, drei (nichtgenutzte) Hallen weiter, gab es noch ein Bühnenareal, auf dem u.a. der Cosplaywettbewerb und die Künstler-Q&As stattfanden.

Die Aussteller waren ein Sammelsurium aus der Entertainment-Branche: Nintendo, Ubisoft, Sky, Netflix, die östererreichische Kette Libro – aber ausgerechnet die großen Comic-Verlage glänzten durch Abwesenheit. Wenn nicht die Manga-Labels Tokyopop und KAZÉ Manga dem Veranstalter ein Alibi gegeben hätten, wäre das Medium Comic nur noch durch die zahlreichen Fan-Zeichner, eine Handvoll Ehrengäste und ein paar Händler vertreten gewesen.
Und dabei war das Publikum alles andere als Manga-affin, weshalb die ebenfalls reichhaltig anwesenden J-Merchandise-Händler insgesamt auch sehr unzufrieden mit dem Zuspruch und den Umsätzen waren – und die Besucher unzufrieden mit der Animelastigkeit der Aussteller, wie man in den Facebook-Kommentaren lesen kann.

Das Ding gleich am Eingang war natürlich der Blickfang und die am häufigsten fotografierte Attraktion der ganzen Messe, Darth Vaders TIE-Fighter:VIECC_TIE

Überhaupt waren Filmprops angesagt. Man konnte sich in Michael Knights K.I.T.T. fotografieren lassen oder auf dem Thron, auf dem niemand zu lange sitzt (weshalb ich nicht so ganz verstehen kann, warum darum so verbissen gekämpft wird…).VIECC_KITT    VIECC_Thron

An dem Preischild kann man sehen, was “Comic Con nach amerikanischem Vorbild” bedeutet – es gibt zwar Attraktionen, aber für die muss man in der Regel extra zahlen. Für die Signierstunden der amerikanischen Künstler musste man “Token” (Einzahl wie Mehrzahl) erwerben: für ein Autogramm 25 EUR, für ein Foto mit dem Star 20 EUR. Hier kann man sehen, was der Veranstalter sich erhoffte – die Maßnahme der Crowd Control nennt man wohl Optimismus…VIECC_Signierschlange
(Zu dieser Zeit – eine Stunde nach Öffnung der Halle – wären auf der Leipziger Buchmesse die Schlangen für die Verlosungen der Manga-Signierstundenplätze einmal quer durch die Halle gegangen!)

Doch was gab es nun für Rollenspieler zu tun oder zu sehen?

Ludus Leonis war in der Zeichnerallee (“Artist Alley”) vertreten, zwischen Mangamädchen und österreichischen Superhelden. Hier erklärt Markus gerade die Regeln von Nip’ajin:VIECC_LudusLeonis

Auf der anderen Seite der Halle war ein österreichischer Rollenspielverein vertreten (Athenaes Siegel), der Demorunden u.a. von Star Wars und Finsterland veranstaltete. VIECC_AthenaesSiegel

In der gleichen Ecke waren auch Tabletopper, sowie Mittelalter- und Star-Trek-LARPer zu finden.VIECC_WoWKeepers

VIECC_LeadersDer für mich bemerkenswerteste Spiele-Stand war wohl Leaders, an dem ein neues Axis & Allies-ähnliches Spiel vorgestellt wurde. Das besondere Element an dem Spiel ist, dass man es mit Tablet-Unterstützung spielt. Hier waren eigentlich zu jeder Zeit zwei Demorunden aktiv.

Thema des Spiels ist der Kalte Krieg. Als Kennedy, Adenauer, de Gaulle, Mao und andere Größen der Geschichte steuert man die Machtblöcke und versucht, Einfluss auf die Weltgeschicke zu nehmen. Man betreibt Forschung und Diplomatie, wobei die App dabei verdeckte Aktionen wie Spionage oder Sabotage ermöglicht. Ich hatte leider keine Zeit, es auszuprobieren… ich hätte gerne gesehen, ob das Tablet das Spiel bereichert oder nur ein Gimmick ist.

Hat sich die Reise gelohnt? Nun, wenn ich nicht beruflich auf der Messe gewesen wäre, hätte ich das alles als Geldverschwendung angesehen. (Rollen)Spiele habe ich hier ja nicht wirklich erwartet. Aber auch sonst war die Messe einfach zu klein und es gab nicht genug zu sehen, um damit 2 Tage zu füllen. Die Halle hatte man in 2-3 Stunden mehrmals durchmessen (obwohl es auch Stimmen gab, die meinten, die Gänge seien zu eng gewesen und man kam nirgends durch), und die Preise der Gastronomie (Kaffee 3,90 EUR !!!) verleiteten nicht gerade zum Bleiben. Allerdings war das Wetter auch nicht gut genug, dass man sich Wien hätte ansehen können…

Comic-Cons en masse

Der Vienna Comic Con wird von einem global agierenden Messeveranstalter organisiert, der weltweit so einige Medienmessen auf die Beine stellt (MIPCOM und MIPTV in Cannes, PAX in Seattle, mehrere Comic Cons in den USA, wenn auch ausgerechnet nicht den bekanntetsten in San Diego). Mit einem so erfahrenen Player und Kontakten in allen Medienbereichen war eigentlich der Grundstein für einen Mega-Event gelegt – sollte man meinen. Doch das Ergebnis irritierte:

  • VIECC_NetflixNetflix hat als (Haupt?)Sponsor die ganze Halle eingekleidet. Bis in die Waschräume (!) verfolgte einen die Werbung für die neue Marvel-Serie Jessica Jones. Netflix selbst hatte dann aber bloß einen Mini-Stand in der gleichen Optik der Plakate, die ohnehin überall hingen, mit einem kleinen Fernseher, auf dem Trailer liefen. Mehr nicht. Kein Ehrengast, und was am meisten verwundert: nicht einmal eine Vorführung der Pilotepisode.
  • Es gab einen (zugegeben, imposanten) Deadpool-Aufsteller, neben dem eine Trailerschleife lief.
  • VIECC_ConstantinConstantin Film hatte einen Mini-Stand, der nichts anderes enthielt als mit Mockingjay-Kinoplakaten hastig beklebte Wände und einen Pappaufsteller. Kein Flyer, keine Trailer, kein Press Kit, keine Kinoposter zum Mitnehmen, einfach gar nichts.
  • Die “Stars” hatten nicht ganz die Größe, die man von US-Veranstaltungen erwarten würde. Für den Startschuss einer europäischen Comic Con in diesen Tagen hätte hier eigentlich Star-Wars-Prominenz auflaufen müssen.

So war das alles nicht Fisch, nicht Fleisch. Für das echte USA-Gefühl war alles zu klein, zu provinziell. Für Filme und TV war einfach zu wenig Film da. Für Comics waren zu wenig Comics da. Alles in allem fühlte sich der erste VIECC ein wenig an wie die RPC, nur ohne Rollenspiele…

Der Vienna Comic Con ist nur der erste einer Flut von Comic-Cons, die den deutschsprachigen Raum überziehen. Schon am nächsten Wochenende findet der German Comic Con in Dortmund statt – ich bin gespannt, was dort anders gemacht wird. Und im nächsten Sommer kommt noch der Comic Con Stuttgart, der von den FedCon/RingCon-Machern organisiert wird. Dabei hätte ich mir gewünscht, dass die Veranstalter ihre Kräfte bündeln, statt haufenweise Konkurrenzveranstaltungen aus dem Boden zu stampfen. Denn drei deutschsprachige Comic Cons nach US-Vorbild braucht niemand. Und nach dem Startschuss wird der VIECC es schwer haben…

Aber ganz ehrlich, ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur eine der drei neuen Messen dem Comic Salon Erlangen inhaltlich-qualitativ das Wasser wird reichen können. Sollen die Film- und Serien-Fans ruhig die “so genannten Comic-Cons” frequentieren – als Comic-Leser wird man weiterhin nach Erlangen pilgern.

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Fanmaterial – RPG Blog-O-Quest November 2015

RPG Blog Quest Logo1. Meine erste Quelle für von Fans generiertes Material ist Lulu.com und Drivethru.com.

Greifenklaue wünschte sich mehr konkrete Nennungen bei dieser Frage – ist das konkret genug?

Ich weiß nicht, ob ich es “erste Quelle” nennen würde, denn proaktiv besuche ich die Seite gar nicht, aber ich erhalte E-Mail-Meldungen über neue Beiträge auf OSR Today, durch die ich von vielen Fan-Produkten erfahre.

Wenn ich nach Kartenmaterial suche, ist Dyson’s Dodecahedron die erste Anlaufstelle.

2. Hast Du schon Fanmaterial erstellt? Hin und wieder, ja.
In der Printausgabe der Mondbuchstaben war einmal das Mini-Setting Falgorad im Schatten (siehe auch den Blogheader), in M20 hatte ich Astragard, ein bisschen auf diesem Blog (und davon war Rathurbosk auch in der AbenteuerPUNKT).

3. Fanzines sind das Thema des RSP-Blog-Karnevals im November. Welches ist (war) Dein liebstes? Es gab zwei Fanzines, die ich früher abonniert hatte und bei denen ich mich auf jede neue Ausgabe gefreut habe:

  • Zeit-Aus – Das ultimative Fanzine aus Ostwestfalen und ___ (in der Ausgabe ein anderer Ort)
    Zeit-Aus CoverHier gab es kein spielbares Material, keine Abenteuer, keine News, sondern hauptsächlich das, was man heute Actual Play oder Kampagnen-Berichte nennen würde. Es ist wirklich seltsam, dass mich das damals so fasziniert hat, zumal ich heute solche Texte nur mit Mühe lese.
    (Obwohl … es gibt da zwei aktuellere Kampagnen-Erzählungen, die ich in den letzten zwei Jahren geradezu verschlungen habe. Da muss ich mal drüber nachdenken.)
  • Loviatar
    Christian Walker hat das fast genaue Gegenteil gemacht: ein Fanzine mit fast 100% spielbarem Material – Kurzabenteuer, NSC-Beschreibungen und Vignetten zu Pathfinder, WoD, GURPS, X-Plorers, Basic D&D.
    Ab Heft 5 änderte er das Konzept des Zines und konzentrierte sich komplett auf eine Stück-für-Stück-Beschreibung eines Sandbox-Settings (ein Hex pro Heft), das leider viel zu früh abgebrochen wurde.

4. Wünschen würde ich mir Fanmaterial zu Whitehack und Pits & Perils, weil diese Spiele es mehr als verdient hätten, eine ebensolche Hack-Frequenz und -dichte zu bekommen wie FATE oder *World.

Wenn ich die Uhr zurückdrehen könnte, hätte ich mir mehr Fanmaterial zu DSA1 gewünscht. Meine Güte, wie anders könnte die deutsche Szene heute aussehen, wenn DSA die Kraft zu einem generischen Fantasy-System gehabt hätte? (Oder überhaupt zu einem generischen System? Wir hätten schon lange ein Old Shattereye haben können…)
Ein bisschen gab es das mit den (Universal-)Modulen der Redaktion Abenteuer-Sets, die ja aus dem Umfeld von DSA-Spielern kamen.

5. Zuletzt hab ich Greywulfs M20 genutzt und das war eine Rollenspielrunde im erweiterten Familien-/Bekanntenkreis. Keine Einsteigerrunde, weil die Leute schon seit 1-2 Jahren Dungeonslayers spielen, aber ich war gebeten worden, für eine Session den SL zu übernehmen, weil die Gruppe “über den Tellerrand” schauen wollte.
Für eine halbe Stunde hatten wir sogar eine Zuschauerin – eine Spielleiterin einer anderen Runde.

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So könnte ein Beispiel-Artikel im GRT-Fanzine aussehen

Habt vielen Dank für den bisherigen Zuspruch zu meinem Vorschlag eines Best-of-Fanzines der deutschsprachigen Blogger-Szene. Die Zahl der Interessenten hat glaube ich schon eine kritische Masse erreicht, die dem Umfang eines typischen, kleinen Fanzines entspricht.

Es gab sogar schon Meldungen freiwilliger Spender, die selbst gar nicht an der Aktion teilnehmen wollen/können, sich aber trotzdem beteiligen und entweder eine höhere Druckauflage oder als Sponsor einen oder mehrere Artikel ermöglichen möchten. Vielen, vielen Dank dafür!

Drüben im Forum läuft derweil noch die Meldephase und die Diskussion. Einige Fragen, die dort aufgetaucht sind, will ich auch hier beantworten:

Warum die Bedingung der 4 Artikel in 8 Wochen?

Die 4 Artikel in 8 Wochen sind eine aus dem Ärmel geschüttelte Größe, die zwei Funktionen erfüllen soll(te):

  1. In der ganzen Aktion geht es darum, Noch-nicht-Leser auf den Blog aufmerksam zu machen und mit einem besonders typischen oder besonders gelungenen Beitrag zu “ködern”. Wenn der Blog aber gar nicht aktiv ist, die letzten Beiträge 2 (oder noch mehr) Monate her sind, und es auch nicht so aussieht, als ob sich das ändern würde – wo ist der Gewinn für den Leser, und fast noch wichtiger: wo ist der Gewinn für den Blogger? Warum sollte sich ein Blogger, der die Lust verloren hat, die Mühe machen, einen alten Artikel rauszusuchen und ggf. auf die geforderte (noch unbekannte) Zeichenzahl zu kürzen und auch noch Geld dafür bezahlen?
  2. Die zweite Funktion ist ein Sicherheitsnetz: Für den Fall, dass sich eine nicht bewältigbare Menge an Bloggern mit einem Artikel bewirbt, brauche ich vielleicht ein einfaches und klares Ausschlusskriterium, das nicht nach “deine Nase gefällt mir nicht” aussieht.

Ich hätte auch ein schlichtes “wer zuerst kommt…” als Kriterium setzen können; dann wären Blogger bevorzugt, die sich schnell mitreißen lassen oder einfach zufällig früher von der Aktion hören.
Aber vielleicht ist das auch alles gar nicht nötig, weil sich am Ende “nur” 36 Blogger melden (davon 7 mit “ich erfülle zwar die Bedingungen nicht, aber ich wäre trotzdem gerne dabei”), was locker innerhalb der bewältigbaren Masse ist – und dann sind die eben dabei.
Ich bin da pragmatisch, nicht dogmatisch.

Was ich auf keinen Fall will, ist eine Bewertung der Blogger und der Beiträge.
Es geht darum, die Bandbreite der Blogs und Inhalte aufzuzeigen, es soll ein persönliches Best of sein, keine Abstimmung.

  • “Ich bin der Meinung, das ist mein bester Artikel.”
  • “Ich bin der Meinung, von all meinen Artikeln hat dieser den größten Nutzen für den Leser/die Community.”
  • “Dieser Artikel hat mir am meisten Spaß gemacht.”
  • “Dieser Artikel hat mir die meisten Leser beschert.”

Und falls das Missverständnis aufgekommen sein sollte: Es soll natürlich keiner der letzten 4 Artikel aus 8 Wochen sein. Der Artikel kann 2 Wochen oder 4 Jahre alt sein.  Blogs, die eher kurze Artikel bringen, können zwei davon auf ihrer Doppelseite unterbringen. Blogs, die eher längere Artikel bringen (dazu gehöre ich ja auch), müssen ihre Texte kürzen, was natürlich auch in der Quellenangabe vermerkt wird.
Bei einem Blog, der üblicherweise brandaktuelle Ereignisse kommentiert, könnte ich mir sogar vorstellen, den Artikel vom Tag vor der Drucklegung anzunehmen (wenn der Blogger das wünscht, es angekündigt, ich Vertrauen in das Einhalten der Deadline habe und wir uns einig werden), damit sich der Blog pünktlich am Gratis Rollenspiel Tag mit einem wahrhaft typischen Beitrag präsentieren kann.

Aktive Blogs vs. schweigende Blogs

Auch die Mondbuchstaben hatten (beruflich bedingt) eine längere Dürreperiode zu ertragen. Ich weiß nicht, wie ich in der Phase eine solche Aktion bewertet hätte – ob ich mich dennoch um ein Mitmachen bemüht hätte. Denn natürlich sah ich mein Blog nur als momentan ruhend an, nicht eingestellt.

Wer einen solchen Blog hat und ernsthaft ein Weitermachen erwägt und einen Artikel hat, den er einbringen möchte, soll sich einfach als Interessent bei der Abstimmung beteiligen. Wie ich oben schrieb: vielleicht sind alle Begrenzungen überflüssig, weil wir sowieso nur auf 30, 35, 40 Mitmacher kommen. (Im Moment zähle ich 17.)

Ich habe keine Zeit, einen neuen Artikel zu schreiben

Darum geht es auch gar nicht – im Gegenteil. Es geht ausdrücklich um Content Cecycling.

Der Artikel soll ja Werbung für den Blog sein, so wie er ist, nicht wie man ihn in einem künstlichen, extra geschriebenen oder niemals erschienenen Idealposting sieht.

In dem Heft soll also ein typischer Artikel der teilnehmenden Blogs stehen, bevorzugt (aber keineswegs zwingend) einer der zeitlosen Beiträge, die man ggf. auch nach Jahren noch lesen kann – eine besonders gelungene Rezension, eine Abenteueridee, eine Landkarte, eine Analyse einer Branchensituation (die noch einigermaßen aktuell ist), eine (oder mehrere) Zufallstabellen, ein besonders gelungenes Actual Play, ein Rant über Missverhalten von Spielern/Spielleitern/Verlagen/Conventions.

Typisch heißt nun aber auch nicht “80% meiner Artikel sind Reviews, also muss ich aus meinen Reviews wählen”.
Ein Blog mit dem Focus auf Midgard hat vielleicht 2 Abenteuer in den letzten Jahren gebracht, und berichtet ansonsten über Neuerscheinungen zu Midgard, News, Rezensionen, Midgard-Cons. Dennoch würde ich das Abenteuer als typisch einstufen, denn es dreht sich um das Kernthema des Blogs.
Was “typisch” ist, muss jeder Blogger selbst entscheiden.

Mehr als 2 Seiten?

Bislang tauchte die Frage nicht auf, aber ich ahne, dass sie aufkommen wird: Was, wenn jemand einen Artikel hat, der partout nicht auf 2 Seiten passt?

Ich gestehe, dass ich da ratlos bin. Eigentlich möchte ich vermeiden, dass sich Blogs mit der Brieftasche in das Heft einkaufen. Ich sehe allerdings auch Blogs mit mehr als einem aktiven Autor…

Hier herrscht noch Diskussionsbedarf. Soll ein Blog mehr als 2 Seiten bekommen dürfen?

Beispiel-Layout

So könnte der Vorschlagsbeitrag von Samstag im Fanzine aussehen:

musterartikel

Als (noch einmal minimal geändertes) PDF habe ich das hier: Download

Der Artikel hatte ursprünglich 7400 Zeichen (mit Leerzeichen). Gekürzt passten auf die Doppelseite insgesamt 7230 Zeichen, die ich in drei Blöcken arrangiert habe:

  • Überschrift 230 Zeichen
  • Artikel 6500 Zeichen
  • Quellenangabe und Vorstellung 500 Zeichen (neu geschrieben)

IGRT Logo kleinch hätte noch ca. 230 Zeichen mehr unterbringen können, aber ich wollte unbedingt das GRT-Logo abbilden. (Die Kopfzeile mit dem Blognamen und URL läuft außer Konkurrenz.)

Da dies die alten Mondbuchstaben-Schriften und -Größen sind, die ich nicht verwenden möchte, sind das erst noch sehr grobe Richtwerte! Mir kommt außerdem der Seitenabstand viel zu eng vor, ich würde da gerne noch mehr Platz haben.

Falls jemand keine Bleiwüste haben möchte, will ich gerne Artwork einbauen. Dann muss der Autor allerdings die rechtliche Seite für die Verwendung abklären – und den Platz im Artikel dafür berücksichtigen.

Wer ist also dabei?

Meinungsäußerungen bitte entweder hier oder im Forum bei RSP-Blogs.de. Dort habe ich auch eine Abstimmung eingerichtet, die bis 25. November läuft.

Im Moment bitte noch keine Artikeleinreichungen und -vorschläge, sondern lediglich eine Interessenbekundung – oder eben Ablehnung der Idee.
Zu den konkreten Artikeln kommen wir in einem möglichen zweiten Schritt.

Dies ist ein Beitrag des Rollenspiel-Karnevals “Fanzines”, der im November 2015 begangen wird. Teilnehmende Blogs werden in dem Eröffnungsbeitrag auf RSP-Blogs.de gelistet.

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“Best-of”-Fanzine der Blogosphäre zum GRT

mondbuchstaben-1985-hefte2Am vorletzten Media Monday habe ich gesagt, dass ich darüber nachdenke, noch einmal eine Sonderausgabe der Print-Mondbuchstaben zu machen, aber bei reiflichem Nachdenken (ausgelöst durch den Beitrag Mondbuchstaben 1985) kam mir eine viel bessere Idee.

Hiermit möchte ich – sozusagen als produktiven Beitrag zum Fanzine-Karneval im November – einen Vorschlag unterbreiten:

Ein gemeinsames Best-of-Fanzine der deutschsprachigen Blogger-Szene

Das Ziel:

GRT Logo kleinEin gedrucktes und zum Gratis Rollenspiel Tag kostenlos verteiltes Heft soll in den Läden, Bibliotheken, Cons und anderen Events rund um den GRT das Augenmerk auf die Bloggerszene lenken und uns allen neue Leser einbringen.

Die Finanzierung der Aktion läuft über die teilnehmenden Blogger, die ja Nutznießer wären (mehr Aufmerksamkeit und Leser). Die Kosten werden gleichmäßig umgelegt. (Dazu unten mehr.) Ich möchte keinen Kickstarter machen.

Der Inhalt des Heftes:

Ein Querschnitt durch die RSP-Blog-Szene – jeweils eine Doppelseite von jedem teilnehmenden Blog als Magazinartikel. In dem Artikel wird zweimal auf die Quelle hingewiesen: am Ende des Artikels steht der URL des Ursprungsbeitrags, im Kopf der URL des Blogs.

Die Auswahl der Artikel:

Jeder Blogger, der daran teilnehmen will, schickt mir (auf einem Weg, den ich noch spezifiziere, falls es ein “Go” für die Aktion gibt) einen Vorschlag, welchen Artikel er in das Heft einbringen möchte.

  • Der Artikel ist für Neuleser das Aushängeschild für euren Blog – wählt einen Artikel, den ihr als typisch anseht
  • Über die maximale Zeichenzahl werde ich noch etwas schreiben – gegebenenfalls kann/muss der Artikel (von seinem Autor) bearbeitet werden
  • Unabhängig davon darf der Artikel sowieso bearbeitet werden, wenn der Autor der Meinung ist, dass er für eine Magazinveröffentlichung poliert werden muss

Über die konkreten Einreichungsmodalitäten gibt es einen eigenen Blogbeitrag, wenn die Idee grundsätzlich angenommen wurde. An dieser Stelle nur soviel: Warum geheim per E-Mail?

  1. Damit die Aktion auch für alle Beteiligten noch einen Überraschungsfaktor hat und das fertige Heft für uns alle zu einer Neu-Entdeckung unserer Community werden kann. Wenn der Inhalt schon vorher bekannt ist – womöglich als Forumsbeitrag mit allen verlinkten Artikeln -, ist der Witz schon lange vorher raus, und im schlimmsten Fall wird alles zerredet.
  2. Außerdem: Jeder Blogger ist der einzige Maßstab für seinen eigenen Vorschlag – er entscheidet selbst, welchem Artikel er die Strahlkraft zubilligt, ihm neue Leser zu bescheren. Eine Bewertung oder Diskussion über die Beiträge möchte ich vermeiden.

In einer öffentlichen Ankündigung des Inhaltes sehe ich keinen Vorteil. (Aber wenn jemand anderer Meinung ist – liefert mir Argumente, ich bin ganz Ohr.)

Ich werde die Vorschläge sammeln und mit jedem Blogger in einen (E-Mail-)Dialog treten, falls es nötig ist (z.B. falls jemand doch einen Beitrag vorschlägt, der aus einem juristischem oder anderen Grund heikel ist; aber es würde mich sehr wundern, wenn es dazu käme).

An einem Stichtag (Ende dieses Karnevals?) wird der Sack zugemacht. Ich mache öffentlich, wer alles dabei ist (aber nicht mit welchem Artikel) und fange mit dem Layout des Heftes an. Es wird ein “gutes, altes” Fanzine-Layout werden, handgemacht im Kevin-Siembieda-Stil. Es wird kein APAzine (also ein Zine, bei dem jeder Autor einen fertig layouteten Beitrag einreicht, der dann zu einem Dokument zusammengefasst wird). Es soll ein einheitliches, schlichtes Layout sein, ungefähr so:

Fanzine Layout small

(Der Name des Heftes wird natürlich nicht “Mondbuchstaben” sein – ich habe da schon eine Idee, über die ich aber erst reden möchte, wenn sich abzeichnet, dass es genügend Mitstreiter für das Projekt gibt.)

(Und um weitere Missverständnisse zu vermeiden: Es handelt sich um eine einmalige Aktion zum GRT, nicht den Versuch, ein regelmäßiges Fanzine aus der Taufe zu heben! Dafür gibt es die Abenteuer● – die aktuell, wenn ich das richtig sehe, keine Webheimat mehr hat, aber deren Ausgabe #6 kurz vor der Fertigstellung steht.)

Das leidige Geld:

Der Druck der Hefte wird Geld kosten.

Auf RSP-Blogs.de sind derzeit 166 Blogs gelistet. Da die Aktion den aktiven Bloggern zugute kommen soll, fallen gewiss einige davon raus, weil sie seit Wochen/Monaten ruhen. Aus dem Bauch würde ich sagen, dass jeder Blog teilnahmeberechtigt ist, der in den letzten 8 Wochen mindestens 4 Beiträge brachte.
Da die Aktion für die Teilnehmer zwangsläufig mit Kosten verbunden sein wird, die nicht jeder zu tragen bereit ist, werden weitere rausfallen.
Noch weitere versprechen sich keinen Nutzen oder finden die Idee einfach nur blöd und fallen auch raus.

Gehen wir also (der einfachen Rechnung halber) von 50 Teilnehmern aus.
Jeder Blogger erhält 2 Seiten, auf denen er entweder einen längeren oder zwei kurze Artikel unterbringen kann. (Die genaue Zeichenzahl muss ich noch ausloten.) Das ergibt ein Heft von 100 Seiten Länge.

Ich habe kurz Kosten bei Online-Druckereien recherchiert: 1000 Hefte zu je 100 Seiten (Druck 1/1-farbig, schön altmodisch) kosten zwischen 1000 und 1200 Euro. Bei 50 Leuten entfallen auf jeden Teilnehmer 20 bis 24 Euro – das erscheint mir für eine Werbeaktion tragbar.

Bei angenommenen 250 GRT-Paketen und einer angenommenen Druckauflage von 1000 Heften enthält jedes Paket 4 Hefte. Ich werde noch versuchen, an den Kosten zu schrauben. Wenn der Druck billiger wird, würde ich den Beitrag trotzdem gleich lassen und lieber mehr Hefte drucken, damit jedes GRT-Paket mehr Hefte erhalten kann.

Niemand macht Gewinn. Jeder einzelne eingesammelte Cent fließt in:

  • Druckkosten
  • Versand der Hefte an den GRT-Vertrieb

Wenn ein teilnehmender Blogger ein Belegexemplar haben möchte (ich weiß, dass ich eins möchte), muss er seinen Beitrag um 1,45 EUR für das Porto erhöhen. (Da ich selbst für mein Belegexemplar kein Porto tragen muss, übernehme ich die Umschläge.)

Zeitplan:

Ich möchte die Liste bis zum Ende des Karneval-Monats fertig haben. Das lässt uns allen mehr als genug Zeit, das Heft bis zum GRT fertigzustellen.

Ich werde jedem Teilnehmer seinen layouteten Artikel zur Abnahme zukommen lassen, in der Reihenfolge, wie ich sie fertigstelle. Bis Ende Januar sollte das erledigt sein.

Zu viele Interessenten?

Was passiert, wenn sich mehr Leute melden, als Platz in dem Heft ist? Dann muss ich prüfen, ob ich die Artikel auf 2 Hefte aufteile. Mehr Leute bedeutet ja auch ein entsprechend größeres Budget, darum sollte das eigentlich kein Problem werden.

Zu wenige Interessenten?

Es müssen keine 100 Seiten werden. Wenn sich weniger Leute melden, verschieben sich allerdings die Druckkosten pro Seite und der Anteil pro Blogger könnte steigen – was wiederum manchen zum Aussteigen bewegen könnte.

Was passiert, wenn die deutschsprachigen Blogger dies für eine Schnapsidee halten und sich nur eine Handvoll Leute meldet? Dann wird es entweder ein sehr dünnes Heft – oder auch gar kein Heft.

Wer ist also dabei?

Meinungsäußerungen bitte entweder hier oder im Forum bei RSP-Blogs.de. Dort habe ich auch eine Abstimmung eingerichtet, die bis 25. November läuft.

Im Moment bitte noch keine Artikeleinreichungen und -vorschläge, sondern lediglich eine Interessenbekundung – oder eben Ablehnung der Idee.
Zu den konkreten Artikeln kommen wir in einem möglichen zweiten Schritt.

Dies ist ein Beitrag des Rollenspiel-Karnevals “Fanzines”, der im November 2015 begangen wird. Teilnehmende Blogs werden in dem Eröffnungsbeitrag auf RSP-Blogs.de gelistet.

 

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