Ravenhorst

Nachdem ich in diesem Karneval so viel über englischsprachige, mehr oder weniger aktuelle Fanzines geredet habe, will ich jetzt noch an eines erinnern, das „damals“ erschien. Ravenhorst war ein österreichisches Fanzine – und es war eines der allerbesten, die jemals in deutscher Sprache erschienen sind. Herausgegeben wurde es von dem gleichnamigen DSA-Club in Wels. Federführend war Günther Dambachmair, der in der Szene auch als Abenteuerautor und Illustrator „D.G.Didi“ aktiv war.

Ravenhorst Cover

Ravenhorst war einzigartig. Wer jemals eine Ausgabe gesehen hat, wird wissen, warum: Das „Handgemachte“ der Fanzines wurde hier wörtlich genommen, denn weite Teile des Heftes waren in einer sauberen, sehr lesbaren Druckschrift handgelettert.

Ravenhorst Lettering

Die Hefte hatten einen enormen Anteil an spielbarem Material. Den Kern bildete stets ein umfangreiches Modul (der handgeletterte Teil), das eines der „damals“ (wir sprechen von den Neunzigern) starken Systeme bediente: Sturmbringer, DSA, Cthulhu, MERS… Im Heftinneren erhielt das Modul sogar ein Cover im Stil der offiziellen Abenteuer des Systems der Wahl, komplett mit handgezeichneter Typografie.

Ravenhorst MERS

Die Abenteuer waren mindestens gehobener Durchschnitt, und oft weit besser als das, was zeitgleich im Dungeon Magazine erschien. Es gab herausnehmbare Seiten, die teilweise auf andersfarbiges Papier kopiert waren: Landkarten, NSC-Portraits, Tageszeitungen oder andere Handouts. Ich behaupte mal: Wenn das Konzept von Ravenhorst professionell umgesetzt woren wäre, hätte das Magazin die Kraft gehabt, sowohl die ZauberZeit als auch die WunderWelten alt aussehen zu lassen.

Ravenhorst Cthulhu

Dies ist ein Beitrag des Rollenspiel-Karnevals „Fanzines“, der im November 2015 begangen wird. Teilnehmende Blogs werden in dem Eröffnungsbeitrag auf RSP-Blogs.de gelistet.

Dieser Beitrag wurde unter Karneval, Rückblick veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Ravenhorst

  1. greifenklaue schreibt:

    Hab ich leider nur drei Ausgaben, fand die aber auch enorm stark! Gerade das Handgemachte hat mich auch beeindruckt.

  2. Alex Schroeder schreibt:

    Die handgezeichneten Portraits sind ja der Hammer.

  3. Filip Stojak schreibt:

    Hach, Dirk, du bist der Wahnsinn. Günther war mein „Mentor“ und sein Sohn einer meiner engsten Jugendfreunde. Mühelos der beste Spielleiter unter dem ich je spielen durfte. Durch Ihn kam ich dann auch zu anderen Fanzines, aber kein (deutschsprachiges) konnte je die Qualität zu Tage fördern, die er da zu Papier brachte. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich bereits in den 90ern einen Hang zu dem hatte, was man heutzutage wohl OSR nennt. Großartiger Typ, auch wenn wir uns in den letzten 10 Jahren aus den Augen verloren haben. Aber in Wels wohnen wir noch immer beide und der besagte DSA-Club ist seit 1995 die sog. „Halle der Helden“, der erste österreichische Rollenspiel e.V. und auch bis heute noch tätig.

  4. carstenschmitt schreibt:

    Schön, dass sich noch jemand daran erinnert!
    Ravenhorst jedenfalls war untern den deutschsprachigen Rollenspielfanzines eines der besten, wirklich liebevoll gemacht und inhaltlich tatsächlich hochwertig. Da war Material drin, das man tatsächlich spielen wollte.
    Ich durfte in den 90ern selber ein Fanzine mitgestalten und muss sagen, dass ich diese Zeit manchmal vermisse!

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