Old School Fanzines

Old-School-Blogger ersinnen gerne Regelvarianten oder spielbaren „Content“, den sie über ihre Blogs teilen. Doch einige von ihnen sind so „old school“, dass sie diese Inhalte auch in einem „authentischen“ Old-School-Format veröffentlichen. Gerade die OSR (Old School Renaissance) hat sich der Fanzines erinnert und zu neuer Blüte geführt.

Rumgecrawle hat schon einen ganzen Schwung von Fanzines ausgemacht, die allein für das System DCC erscheinen, doch die sind nur das I-Tüpfelchen einer ganzen Flut von Zines, die sich den diversen Versionen des klassischen D&D widmen.

Den Startschuss hat das mittlerweile legendäre Fight On! gemacht, das von 2008 an etwa vierteljährlich erschien und heute leider ruht. Herausgeber „Ignatius Ümlaut“ hat dazu Artikel aus der Blogger- und Forum-Community aus aller Welt eingesammelt (u.a. Jeff Rients, James Raggi, James Maliszewski, Glgnfz, Kensanata) sowie alte Recken der Szene reaktiviert, darunter Zeitgenossen von Gygax und Arneson (Bob Bledsaw II, Steve Marsh, Jim Ward, Tim Kask, Michael Monard, Rob Kuntz), aber auch Autoren anderer Systeme jener Tage (Ken St. Andre) sowie Story Gamer (Paul Czege, Ron Edwards, Vincent Baker). Jede Ausgabe hatte über 100 Seiten (A4) und brachte eine Mischung aus neuen Regeln (Klassen, Zauber, Monster), Abenteuern (z.B. Übersetzungen von Gabor „Melan“ Lux‚ Fomalhaut-Kampagne) und Erinnerungen von Veteranen.
Parallel zu Fight On! hat Swords & Wizardry-Macher Mythmere ein ähnliches Fanzine gestartet, Knockspell (das mir noch ein bisschen besser gefallen hat, weil es halt S&W-nah war). Auch hier hat Melan Fomalhaut-Abenteuer beigesteuert, und auch dieses Magazin ist nach einer Odyssee durch die Verlage leider eingeschlafen.
Zwei weitere „große“ Fanzines (vom Format – A4 – und Umfang her) sind Oubliette und Nod. Peter Regan, der Macher von Oubliette, ist ein sehr aktiver britischer OSR-Geselle, der einen Kickstarter nach dem anderen macht – und extrem schnell und zuverlässig erfüllt. Seine Kickstarter sind häufig spielunterstützendes Material wie Lesezeichen, Hexblöcke, Bierdeckel… Sein Oubliette ist mittlerweile auch in Sammelbänden erhältlich (siehe den Sidebar in dem Link), und John Staters Nod habe ich im August schon einmal erwähnt.
All diesen „großen“ Fanzines ist gemein, dass sie eher aufwändig gemacht sind, und vor allem einige Ausgaben von Knockspell und Nod auch als professionelle Magazine durchgehen würden.

Das „richtige“ Fanzine-Flair wird jedoch von den kleinen Zines hervorgerufen, die noch/wieder sehr handgemacht und tatsächlich wie ein Fenster in die Vergangenheit wirken. Viele von ihnen sind die schon erwähnten DCC-Zines, aber es gibt auch „allgemeine“ OSR/xD&D-Zines.

OSR Fanzines

Das Verblüffende an diesen kleinen Zines ist, dass sie sich fast alle zu einer gemeinsamen Motivation bekennen: Etliche dieser Zines bedanken sich in ihrer ersten Ausgabe bei Christian Walker, der mit seinem Loviatar einen wunden Punkt getroffen zu haben scheint und eine Welle an „Nachmachern“ auf den Plan gerufen hat.

Loviatar Cover

Das Zine, das leider auch wieder eingeschlafen ist, war das Paradebeispiel eines Egozines – ein Fanzine, das zu fast 100% aus der Feder eines Autors stammt. Loviatar war – wie auch Christians Blog – ein „Steam of Consciousness“ und dokumentierte, mit welchen Systemen und Kampagnen er sich jeweils gerade beschäftigte.

Einige Blogger/Zine-Macher haben das Format auch benutzt, um Mini-Module zu veröffentlichen, z.B. Dylan Hartwell oder Jason Sholtis. All diesen Titeln ist gemein, dass sie nur kurzfristig zu haben waren, weil sie nur in einer einmaligen Copyshop-Auflage erschienen.

Zogorion Cover

Es soll nicht verschwiegen werden, dass es auch vor den OSR-Print-Zines Old-School-Aktivitäten gab – der echte Veteran in dieser Szene ist das E-Zine Footprints, das schon lange vor Fight On! AD&D-kompatibles Material gesammelt hat. Und in der Reihe der E-Zines, wenn auch viel später, muss auch Encounter erwähnt werden.

Dies ist ein Beitrag des Rollenspiel-Karnevals „Fanzines“, der im November 2015 begangen wird. Teilnehmende Blogs werden in dem Eröffnungsbeitrag auf RSP-Blogs.de gelistet.

Dieser Beitrag wurde unter Karneval, Rückblick veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Old School Fanzines

  1. Alex Schroeder schreibt:

    Egozine tönt ja klasse. :)

  2. Mondbuchstaben schreibt:

    Ich weiß gar nicht, ob dieser Begriff, der damals in der Fanzine-Szene tatsächlich benutzt wurde, despektierlich gemeint war. Ich habe ihn nie so aufgefasst und als rein beschreibenden Begriff verstanden und deshalb auch ohne nachzudenken in meinem Artikel verwendet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s