Media Monday #224 – RPG Edition

Das Medienjournal ruft jeden Montag dazu auf, einen Lückentext zu füllen. Da dies ein Rollenspielblog ist, werde ich den Antworten auf das Medium Spiel beziehen, soweit dies möglich ist.

1. Dungeons & Dragons gilt meines Erachtens völlig zurecht als unverfilmbar, schließlich lässt sich filmisch kaum festhalten, was der Reiz am Rollenspiel ist. Alle bisherigen Versuche – sowohl die Realfilme, als auch die Kinder-TV-Serie, treffen es überhaupt nicht. Und wir können nur dankbar sein, dass uns Gary Gygax‘ Vision eines D&D-Films erpart geblieben ist
Alles, was man verfilmen kann, sind Settings, aber mit Rollenspiel hat das nichts mehr zu tun – und gelungen ist das bislang auch noch nicht. Der Dragonlance-Cartoon ist ent-setz-lich. Midnight Chronicles, der inhaltlich beste Rollenspielfilm, ist nur deshalb so gut, weil er sich eben nicht an den Klischees des Rollenspiels orientiert.
Witzigerweise gibt es so einige Mainstream-Filme, bei denen man das Gefühl hat, sie beruhen auf einer Rollenspielsession. Krull, Conan der Zerstörer, Wolfhound…

Na gut, man kann Dungeons & Dragons verfilmen, wenn man sich auf die Geschichte des Spiels und seiner Macher konzentriert. Was da im Hintergrund abgelaufen ist, hatte feinstes Seifenopern-Format. Mit Gary Gygax als Blake Carrington, Dave Arneson als Digger Barnes und Lorraine Williams als Angela Channing.

Ok, das würde ich gerne sehen…

pokethulhu_cover2. Eine der unlustigsten Komödien, die ich so in letzter Zeit gesehen habe, ist das Tier-Anwälte-Rollenspiel.
Es ist zugegebenermaßen originell, aber Uhrwerk hat mit der „Hardcoverausgabe“ schon den besten Lacher erzeugt, den das Spiel je hinlegen kann (an meinem Spieltisch jedenfalls). Aber der Rest wirkt so dermaßen gequält-gezwungen, dass ich darüber einfach nicht lachen kann.
Ein halbwegs gelungenes Humorspiel ist Paranoia – „halbwegs“ deshalb, weil das Regelsystem für seinen Zweck immer noch viel zu technisch und simulatorisch ist.
Das beste Humorspiel ist in meinen Augen aber Pokéthulhu.

3. Zeitreisen ist eines dieser klassischen Science-Fiction-Themen, die man im Rollenspiel nur schwer umsetzen kann. Natürlich kann man Leute in die Vergangenheit senden und schauen, was passiert, aber die zufällige Natur mancher Regeln lässt sich nicht unbedingt in Einklang bringen mit der Unverrückbarkeit bereits geschehener Ereignisse. Das könnte für Spieler sehr frustrierend sein, und in 1-a-Railroads ausarten.
Oder, falls die Ereignisse eben nicht unverrückbar sind, kann ein Spielleiter gar nicht ermessen, welcher Schneeball durch vermeintlich harmlose Änderungen ins Rollen kommt.
Was eigentlich schade ist, denn eine Zeitreise-Kampagne hätte durchaus etwas.

4. Kaum ein Rollenspiel hat mich emotional tief berührt, weil nicht wenige Spieler dazu neigen, aufkeimende Emotionen mit Schubkarren voll Ironie zu brechen.
Ein einziges Mal schwiegen alle am Tisch, als ein Spieler aus dem Stegreif eine Grabrede auf einen (langjährigen) NSC hielt, und das war gleichermaßen überraschend wie bewegend.

5. Ich muss ja gestehen, dass ich Vampire: The Masquerade nie so richtig verstanden habe, denn wird der Denver Clan wirklich besser, wenn man ihn nach Chicago verlegt und alles Vampire sind?

6. Die Dragon-Warriors-Taschenbücher gucke ich mir immer mal wieder ganz gerne an, einfach weil ich immer noch versuche herauszufinden, was genau die besondere Mischung dieses Spieles und Settings ist, die es zu einem meiner Lieblingssysteme macht.

Epees & Sorcellerie 2 Cover7. Zuletzt habe ich mir Nicolas Dessaux‘ Epées & Sorcellerie genauer angesehen und das war erhellend, weil ich diesen Old School Clone, den es immerhin schon seit 2009 gibt, bislang sträflich vernachlässigt habe.
Gleichzeitige Attacken wie bei T&T?
Alles auf (2)w6 basierend wie bei *World?
Kurzum: sehr gelungen!

(Und was sehe ich in dieser Minute – es gibt eine Seconde Édition? Mit dem fehlenden Voleur?)

 

Lehren aus dieser Episode des Media Monday?

Brrrr.
Jetzt kriege ich Krystle Carrington als schafsäugige Vampirin nicht aus dem Kopf.
Die WoD ist halt doch Horror!

 

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7 Antworten zu Media Monday #224 – RPG Edition

  1. Teylen schreibt:

    Zu 5. Ahjup, der Denver Clan wird besser wenn man es im Dunkeln, mit Superkräften und Fangzähnen macht 8)

  2. Mondbuchstaben schreibt:

    „Immer, wenn du hungrig bist, bist du nicht du!“

  3. Mondbuchstaben schreibt:

    Stimmt, Dallas war viel besser.

  4. Teylen schreibt:

    *schiebt ein Snickers rüber*

  5. greifenklaue schreibt:

    @2: Ja, Volltreffer.

    @4: Ich hatte da einen Moment auf der Slayvention beim Metro 2033-Setting. Wir hatten gerade die Nachbarstation gerettet – und sollten sie nun vom Netz abschneiden. Da konnte man tatsächlich eine Stecknadel fallen hören.

  6. Rána schreibt:

    Zu 4: Das Phänomen kenne ich und mag es ganz und gar nicht. Meiner Erfahrung nach wird es besser, wenn die Leute am Tisch sich länger kennen und v.a. vertrauen.
    Dass es auch anders geht durfte ich auch schon mehrmals erleben, als Spielerin und als SL. Es ist einfach großartig, wenn die Leute zulassen, sich emotional bewegen zu lassen, bzw. wenn ich als Spielerin sagen kann, was mir passend erscheint, ohne gleich mit albernen Sprüchen bedacht zu werden. Haifischbecken, sage ich da nur.
    Doof nur, dass sich in meiner langjährigen Runde zuletzt das Pokerface etabliert hat: die Leute haben auf welche Situation auch immer nur mit einer ausdruckslosen Mimik reagiert. Finde ich zwar besser, als alle Äußerungen gleich zu veralbern, ist für mich aber SL doch etwas anstrengend.
    Momentan spiele ich mal wieder und das mit völlig neuen Leuten. Und was soll ich sagen, man kennt sich so wenig, dass selbst nach einem Jahr Spiel soviele Sprüche geklopft werden, dass ich freiwillig nicht mehr mehr sage als ich muss (um es mal so hart zu formulieren). Warum ich nicht mal was sage? Nun, es scheint den drei Herren am Tisch genau so zu gefallen. Warum sollte ich da die Quertreiberin mimen?
    Meine These ist ja auch hier: würden wir neben dem Spiel auch noch was zusammen machen, würde das Vertrauen steigen und es sich leichter spielen.

    Ich kenne übrigens jemanden, der den bzw. die D&D-Filme mag. Und ich bin’s nicht.

  7. Mondbuchstaben schreibt:

    Ich denke mal, du nmeinst mit „ich mag das Phänomen nicht“ die ironischen Sprüche und nicht eine überraschend bewegende Grabrede. (Zumal du ja gerade diese Rede miterlebt hast…)

    Ich weiß nicht mal, ob Rollenspiel wirklich das Medium der Wahl ist, um tiefe Emotionen auszuloten. Ich bin schon zufrieden, wenn die Leute am Tisch das behandelte Genre ernst nehmen und nicht alles zur Parodie verzerren. Das fängt schon bei den Namen der Charaktere an. Wenn sich jemand als „Miraculix, der Druide“ vorstellt, ist die Sache eigentlich schon gelaufen.
    Bei Shadowrun kann ja kein Straßenname zu ausgefallen sein, aber ich habe bei Cthulhu schon Namen gehört (alter englischer Landadel, höhö), bei denen ich mich fragte, wie denn dabei Horror entstehen soll…

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