Media Monday #222 – RPG Edition

Das Medienjournal ruft jeden Montag dazu auf, einen Lückentext zu füllen. Da dies ein Rollenspielblog ist, werde ich den Antworten auf das Medium Spiel beziehen, soweit dies möglich ist.

1. The One Ring hätte noch viel dreckiger und düsterer sein können, schließlich betont Peter Jacksons Hobbit-Trilogie auch die raue, düstere Seite Mittelerdes… sorry, nein, das ist natürlich ein Witz.
Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mir die Welle der Dark-Fantasy-Rollenspiele und -Settings (und -Romane und -Filme) auf die Nerven geht, und Jacksons völlig unpassende Verdüsterung eines Kinderbuches ist Ausdruck genau dieses schrecklichen Syndroms. All diese Weltentwürfe und Charaktere, die sich in Zynismus suhlen und dies mit Realitätsnähe gleichsetzen … ja, es gab mal eine Zeit, in der das originell war.
Der Italo-Western war auch einmal frisch und neu, weil er die Klischees gebrochen hat, und auch schmuddelige Fantasy-Antihelden aus den Gossen der Metropolen waren mal neu, aber alles Neue, was tausendfach kopiert wird, erstarrt wieder zum Klischee.
Dann lieber Der rote Korsar in der fünfzigsten Wiederholung als diese gerade hippen Piraten-TV-Dramen, die auf der Rome/Tudors/Deadwood-Welle schwimmen. Was kommt als nächstes? Düstere Dschungeldoktoren fehlen noch. Oder düstere Sesamstraße.
Ich weiß, Splittermond wird belächelt für seine hellblaue Farbe, aber nach über zwei Jahrzehnten Dysternis ist ehrliche, bunte Abenteuerlust eine willkommene Abwechslung
.

2. Musicals habe ich noch nie als Rollenspielinspiration verwendet. Und als Inspiration für Regeln noch viel weniger – es reicht schon ein Rollenspiel, in dem man tanzt, da muss wahrlich nicht noch eins kommen, in dem man singen muss

3. Das Internet (und Foren ganz besonders) raubt mir gehörig viel Lebenszeit, wenn ich bedenke, dass ich in der gleichen Zeit Rollenspielsessions vorbereiten könnte, statt mich mit Metathemen zu befassen, aber schließlich möchte ich keine spielwerten Perlen verpassen wie die Genesis von Microlite 20, die One Page Dungeons, die ausschlachtbares Material für 3w6 Kampagnen bieten, oder die Seite von Dyson Logos.

4. Die Verlegung der Whitehack-Diskussion in die Whitehack Appreciation Society auf G+ war eine DER Enttäuschungen für mich, schließlich ist G+ das so ziemlich ungeeigneteste Tool für eine fortlaufende und recherchierbare Diskussion.
Foren sind bestimmt auch nicht ideal, aber da kann man Threads in thematische Unterforen verschieben und in der Software abonnieren (und damit Lesezeichen setzen). Aber mit Blick auf
Frage 3 und die „Zeitverschwendung“ habe ich damit eine Plattform weniger zu verfolgen. Auch gut.

5. Neben den einschlägig lang erwarteten Filmen freue ich mich ganz besonders auf MTVs  The Shannara Chronicles, denn zu meiner allergrößten Überraschung haben die beiden Trailer in mir richtig Lust auf dieses Stück Trash-Fantasy geweckt – auch wenn die Bilder einen größeren Hang zur Darqueness vermuten lassen als die (auch ohne dies schon käsige) Buchvorlage. In der ZauberZeit gab es einmal eine zweiteilige Artikelserie (Ausgabe 33 und 35), die die Welt rollenspiel-enzyklopädisch beschrieb, aber die postapokalyptische Natur des Settings wurde dabei dezent unterschlagen.

6. Jon Petersons Playing at the World kann ich ja nur jedem ans Herz legen, denn eine detailliertere Analyse über die Entstehung des Kulturphänomens Rollenspiel gibt es nicht.

7. Zuletzt habe ich mir wie vor 2 Wochen angekündigt M20 wieder vorgenommen und das war nötig, weil die Zeit nicht stehengeblieben ist und der d20-Mechanismus interessante Neuerungen erlebt hat, die den Eingang in die mikroleichte Fassung verdient haben.

Lehren aus dieser Episode des Media Monday?

Der Media Monday ist nicht bloß eine assoziative Fingerübung, sondern auch ein Motivator für längst überfällige Projekte – siehe M20.

Dieser Beitrag wurde unter Gedankenspiel, Karneval veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Media Monday #222 – RPG Edition

  1. Rána schreibt:

    In G+ Communities kann man Unterthemen einrichten und auch suchen. Aber ich gebe dir recht, für Diskussionen, die auch noch nach Jahren auffindbar sein sollen und Threading ist das ein nicht so ganz passendes Umfeld.
    Ich dachte, das mit dem „Oy, sind wir dark, ey“ hätte sich schon vor Jahren erledigt? Ist es wieder da und ich habe nur den Mittelteil verpasst?

  2. Mondbuchstaben schreibt:

    Ich finde, Game of Thrones, Gotham, Daredevil (bei den aktuellen TV-Serien) und Dragon Age, Lamentations of the Flame Princess, Shadow of the Demon Lord (bei den Rollenspielen) sind schon ziemlich selbstverliebt in die eigene Düsternis, was ich besonders bei LotFP schade finde.

  3. greifenklaue schreibt:

    Bei M20 bin ich mal gespannt. Soll Advantage/Disadvantage rein?

  4. Mondbuchstaben schreibt:

    Da hadere ich noch mit mir.
    Bei 5ismen muss man vorsichtig sein, da sie nicht unter die OGL fallen. Whitehack hat den Double Roll auch, aber nicht als (Dis)Advantage, sondern als Skill/Proficiency.

  5. greifenklaue schreibt:

    Das ist eigentlich ne super Idee. Andererseits, wenn der Krieger ein Doppelwurf im Kampf hat, würfelt er dauernd doppelt. Und es als begrenzte Ressource einzuführen macht es wieder komplexer.

  6. Alex Schroeder schreibt:

    Hah, die Vorschau gefällt doch über grosse Strecken. Witzig finde ich aber eigentlich, das Jackson’s Herr der Ringe in Neuseeland mit seinen Orcs, seinen grünen Hügeln, den schönen Gebirgen und so weiter eigentlich zum generischen Fantasy Filmhintergrund wird – eigentlich genau das passende Gegenüber zum Begriff EDO Fantasy, welches sich ja auch auf den Herrn der Ringe als Buch bezieht. Da muss ich gleich wieder schmunzeln. :)
    Ich würde mich auf alle Fälle auch freuen, wenn es da etwas mehr Alternativen zu den aktuellen Serien gibt. Ich bin da ziemlich anfällig, konnte Rome nach ein paar Folgen nicht mehr sehen, wollte Game of Thrones schon nach der ersten Folge nicht mehr weiter anschauen, habe bei Spartacus gleich abgewunken… Im Moment schauen wir also lieber so Serien wie Star Wars: The Clone Wars, Adventure Time, oder die Merlin Serie.

  7. Mondbuchstaben schreibt:

    An Serien habe ich letztens die ersten beiden Staffeln von Defiance gesehen. Das konnte ich bei der TV-Ausstrahlung gar nicht ertragen, aber auf DVD und in einem Stück (gut, über 2 Wochen verteilt) hat das einen eigentümlichen, wenn auch extrem trashigen, Charme entfaltet. Diese Alien-Völker haben etwas, und die terrageformte Erde ist ja durchaus dieses „andere“, was du einforderst. (Über „terra“-geformt muss ich dann schmunzeln, bezeichnet es hier doch eigentlich terraENTformt, weil ja die irdische Biologie/Geographie einer Alien-Anpassung unterzogen wurde.)
    Lediglich dieses aufgesetzte Western-Thema (muss ein amerikanisches Trauma sein…) nervt etwas und der „Metaplot“ hätte etwas weniger „mit der Brechstange“ abgewickelt werden können – dann hätte die Serie das Zeug zu einem Hit gehabt.

    Bei Rome ging es mir genauso wie dir. Die erste Folge fand ich entsetzlich – die mit Abstand schlechteste Regie, die ich in einer aktuellen TV-Serie gesehen habe. Untertes Asylum-Niveau, nur ohne den unfreiwilligen Humor…

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