#RPGaDAY2015 – Frage 20 – Tribe 8

20. August: Lieblings-Horror-Rollenspiel?

Noch so ein schwieriges Genre… Ich kann mit Horror wenig anfangen, schon kaum in der Belletristik und anderen Medien, aber im Rollenspiel noch viel weniger. Konsequent durchgezogen, müsste eine Horror-Session das systematische Hinmeucheln oder sonstige Ausschalten mindestens der Hälfte aller Charaktere umfassen. (Hm… ist GoT damit Horror? Ich schweife ab.) Wie sonst sollen Bedrohung und Paranoia für die Spieler greifbar werden? Als Spielziel finde ich das blöd.

Aber es gibt wenigstens ein Spiel, das in seinem Setting Horror-Elemente aufweist, und das ich sehr mag.

Die zwanzigste Frage lautet: Favourite Horror RPG?

Tribe8_CoverTribe 8 habe ich mit größter Faszination (leider nur) gelesen. Und das trotz der unnötigen WoDismen, die leider auch noch drin waren, wie etwa die archetypischen Stämme, die als Clan/Tradition/Charakterklassen-Ersatz herhielten. (Es war halt ein Produkt seiner Zeit.)

Tribe 8 bot ein ungewöhnliches postapokalyptisches Setting: Eine nicht näher erklärte Invasion monströser Gestalten (waren es Dämonen? Außerirdische?) hat die Menschheit fast dahingerafft. Die wenigen Überlebenden werden von den Z’Bri (so der Name der Monster) in Lagern gehalten und dienen als Nahrung besonderer Art, denn die Z’Bri ernähren sich von Furcht und Schmerz und allerlei anderen negativen Emotionen. Das Setting wird im ersten Drittel des Buches nur in Zitaten, Überlieferungen und Berichten von Generationen von Gefangenen geschildert, so dass der SL („the Weaver“) sich selbst den Hergang zusammenstückeln muss. (Teilweise bedrückender Tobak, und auch ein echter Horror als Nachschlagewerk, aber als Einführung sehr wirklungsvoll.)

In einigen Lagern erscheinen den Menschen übermächtige, gottgleiche Wesen (in der Gestalt von aus dem Schrott entstehenden … „Golems“?), die Fatimas, die die Überlebenden zum Aufstand ermutigen und ihnen die Fähigkeit zur Traummagie („Synthese“) geben. Mithilfe der Fatimas gelingt in acht Lagern der Aufstand und die überrumpelten Z’Bri müssen sich zurückziehen (zumindest aus der Spielregion Vimary). Ein(e) Fatima, die einzige männliche, verliert bei diesem Aufstand ihr Leben. Die übrigen sieben führen die Überlebenden in die Freiheit – oder einfach nur in ein anderes Gefängnis? Denn die Fatimas geben den Menschen moralische und sonstige Lebensregeln vor, und wer aufbegehrt, hat nichts zu lachen. Die Spielercharaktere sind Individuen, die aus irgendeinem Grund aus den befreiten Stämmen ausgestoßen wurden, sich in der Wildnis zusammenfinden und – Joshua, der gefallenen Fatima gedenkend – einen achten Stamm gründen.

Das eigentliche Spielgeschehen ist eine Mischung aus Erkundung der Wildnis und der Ruinen der Vergangenheit, reinem Überlebenskampf gegen wilde Tiere und schlimmeres, diplomatischem Drahtseilakt zwischen den sieben Stämmen, den undurchsichtigen Fatimas (ja, sie haben den Menschen die Synthese gebracht, aber warum kann der „freie“ achte Stamm diese Magie leichter anwenden?) und den wenigen wirklich freien Menschen, die niemals in der Gefangenschaft waren und schon immer in den Ruinen lebten – und dann sind da noch die Z’Bri, die jenseits des Flusses lauern und gewiss zurückschlagen werden.

Leider wieder eines dieser Spiele, die nur als Kampagne funktionieren.

Und noch ein Wermutstropfen: Es gab einen Metaplot, der in den Quellenbüchern und Abenteuern fortgestrickt wurde – wenn das Setting je eine Antwort auf die Fragen nach dem Warum, Was und Wer hatte, habe ich sie nie gelesen. Ich hörte, dass in einem späteren Regelbuch (der d20-Version?) eine Auflösung oder zumindest eine Auflistung des Plots gewesen sein soll.

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5 Antworten zu #RPGaDAY2015 – Frage 20 – Tribe 8

  1. Ingo schreibt:

    Wieder eine gute Wahl. Ich kenne keinen(!) einzigen T8-Spieler.

    Ich hadere zwar noch, dass INS/MV ein Superhelden-Rollenspiel sein soll. Nein, ist schon okay.

    Ianus Publication/DP9 haben ein paar schöne Sachen gemacht für Cyberpunk und Jovian Chronicles ist jetzt auch nicht ganz schlecht … Damals bei WDS habe ich davon sehr viel mitgenommen.

    Ich frage mich wirklich, warum T8 niemand spielt, am Setting liegt es vermutlich nicht, oder war/ist das Zeug zu anspruchsvoll?

  2. MaSc schreibt:

    Tribe 8, mein Spiel. :)
    Habe ich gerne und lange gespielt. In verschiedenen Runden, als Kampagne oder auch Convention One Shots. Meine Sammlung der Regelwerke ist ein gut gehüteter Schatz.
    Ich kann es nur empfehlen.

  3. Pingback: #RPGaDAY2015 Tag 20 – Deine Lieblings-Horror-RPG? | Greifenklaue's Blog

  4. Argamae schreibt:

    Ich habe es mal besessen, hat mich aber damals überhaupt nicht angesprochen. Die von Dir erwähnte „narrative“ Herleitung hat mich extremst genervt – ich will als SL sowas verständlich/klar aufbereitet haben, damit ich das vernünftig leiten kann, und mich nicht durch zunächst einen vollkommen unklaren Kontext kniffeln. Und das Spielsystem fand ich schon seit Heavy Gear bzw. Jovian Chronicles suboptimal, gefiel mir nie.
    Das erklärt dann vielleicht, warum T8 zumindest dieser Mensch hier nicht spielt.

  5. Pingback: Best of #RPGaDAY2015 – Klaues Lieblingsantworten 2/3 | Greifenklaue's Blog

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