#RPGaDAY2015 – Frage 17 – WHFRP? DW?

17. August: Lieblings-Fantasy-Rollenspiel?

Vermutlich die schwierigste Frage des ganzen Augusts…

Die siebzehnte Frage lautet: Favourite Fantasy RPG?

Die kurze Antwort lautet vermutlich keins.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich aktuell ein Fantasy-Rollenspiel habe, das ich ausdrücklich als Lieblingsspiel bezeichnen würde – und das, wo Fantasy doch mein Leib- und Magen-Genre ist!

Manche Leute würden mich wohl fest in der Hand von (A)D&D verorten, auch weil dauernd über OSR-/D&D-Klone schwärme und Swords & Wizardry als derzeitiges Standard-System angebe. Aber D&D ist trotzdem weit von einem Lieblingsspiel entfernt.

Ich bin da eher pragmatisch. Eine klassische D&D Statline (AC5, HD1+1, hp 6, longsword +1 (1d8), immune to charm spells) „spricht“ zu mir auf eine Weise wie kein anderer Spielwert.
TSR hatte einen monströsen Abenteuerausstoß (auch unterstützt durch die Magazine), und D&D wurde für mich zur „Lingua Franca“ des Rollenspiels.

Wenn ich so viel Aufmerksamkeit auf die OSR-Klone wende, interessiert mich eigentlich viel mehr, wie sehr man die „Gene“ von D&D mutieren lassen kann, und sich das Ergebnis immer noch wie D&D anfühlt, oder man gerade etwas völlig anderes als D&D draus machen kann – und trotzdem weitgehend die bekannte Statline nutzt.

Früher hatte ich echte Lieblingsspiele. WHFRP, Midgard, Ars Magica. Aber im Moment?
Es gibt das, was in manche Leute in US-Foren „go-to“-Spiele nennen; Systeme, die automatisch herausgekramt werden, wenn eine Session ansteht. Bei mir waren das in den letzten Jahren Swords & Wizardry, M20, mal mein Astrópía … aber meine Begeisterung für diese ist nicht annähernd so feierlich wie die für meine alten Lieblingssysteme. Am dichtesten dran ist vermutlich Whitehack, das sofort meine Antwort auf Frage 3 gewesen wäre, wenn die Frage ein Jahr eher gestellt worden wäre… aber auch Whitehack hat kleine Mängel, die ihm das Prädikat „Lieblingsspiel“ leider versagen.

Was ist also ein Lieblingsspiel?

Ich definiere Lieblingsspiel einfach mal als ein Spiel, von dem man nicht die metaphorischen Finger lassen kann, egal ob es aktuell bespielt wird oder nicht. Und dann wird die Antwort schon viel einfacher. Nochmal:

Die siebzehnte Frage lautet: Favourite Fantasy RPG?

WFRP_CoverNach der Entdeckung des Hobbys war das erste System, in das ich mich „verliebte“, Warhammer FRP. Karrierengestützte Charaktererschaffung, alle Charaktere, NSCs und Monster bestanden aus exakt einer Statline, fast alle Proben waren Attributsproben, und außer dem Hardcover brauchte man nie ein weiteres Buch – das war ein Augenöffner.
Ich habe zwei kurze Kampagnen damit geleitet (eine davon so kurz, dass sie die Bezeichnung nicht verdient) und eine dritte begonnen (bevor meine AD&Dler doch wieder zu „ihrem“ System zurückwollten und wir die Charaktere notdürftig konvertierten), aber eigentlich scheiterten alle Versuche an der Verknüpfung der Regeln mit der Old World. Ich wollte immer eigene Welten damit bespielen und meine Settings finden einfach nicht in der Gosse statt. Karrieren sind eine tolle Idee, aber es müssen keine Rattenfänger und Bettler sein.

WHFRP ist für mich bis heute ein heiliger Gral des Rollenspiel- (und Buch-) Designs, auch wenn ich es in der Form nie spielen mochte. Trotzdem habe ich immer mal wieder das Bedürfnis, irgendetwas damit zu machen, auch wenn ich nicht weiß, was das sein soll.

DragonWarriors_CoverDragon Warriors ist ein weiterer Augenöffner gewesen. Da war zunächst das Format (man kann Rollenspiele als Taschenbuch machen?), aber der Inhalt faszinierte mich bald viel mehr. Ich habe nie wieder ein System in der Hand gehalten (außer vielleicht Tribe 8 und Engel), bei dem die Stimmung des Settings so aus den Seiten troff. Wie schrieb ich einst?

Meine Dragon-Warriors-Taschenbücher sind so zerfleddert, dass mir niemand glauben würde, dass ich das System nur ein einziges Mal gespielt habe. Aber das Flair, die Ideen, die Illustrationen waren wie ein Kompass, der mir viele Jahre lang und über mehrere Systeme und Kampagnen hinweg den Weg gewiesen hat.

Das System selbst ist nicht ganz rund. Obwohl die beiden Autoren RuneQuest-Fans waren, haben sie sich eher an D&D orientiert und ein Spiel mit rigiden Klassen und Erfahrungsstufen geschaffen. Die Standardprobe ist ein Wurf von 1w20 (manchmal auch 2w10) unter einen Spielwert (ein Attribut, Attacke, usw.). In jedem anderen Fall wäre das gleiche System schnell als D&D-ähnlicher Heartbreaker eingestuft und vergessen worden. So aber war es die britische Antwort auf D&D, so wie DSA die deutsche Antwort auf D&D war. In beiden Fällen waren die Detailregeln völlig anders und entwickelten sich eigenständig weiter. Beide Spiele waren für ihre Generation der Einstieg ins Hobby. Und in beiden Fällen waren es die Abenteuer und die Kreaturen, die sich aus dem eigenen kulturellen und medialen Hintergrund herleiteten; Dragon Warriors war „Robin Hood + Richard Löwenherz + Artus + keltische Mythen“, so wie DSA eben (zunächst) „Die unendliche Geschichte + Kauka Comics + Sigurd + Karl May“ war (und D&D eben „Wildwest mit Rittern, Burgen und Verliesen“).

Mal ehrlich: Ein Spiel, das diese Grafik enthält, muss man doch einfach lieben?

DragonWarriors_Dice

 

 

 

 

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5 Antworten zu #RPGaDAY2015 – Frage 17 – WHFRP? DW?

  1. greifenklaue schreibt:

    Mir geht es ähnlich, die schiere Masse an liebenswerten Kram erdrückt einen und es fällt schwer, DEN Liebling zu benennen.

  2. Ingo schreibt:

    WHFRP ist mal eine Ansage.

    *** ENEMY WITHIN-SPOILER ***
    Ich werde nie vergessen, wie wir nach Altdorf (es war doch Altdorf, oder doch Nuln?) kamen und der Spielleiter plötzlich irgendwelche Verrenkungen machte, um einen seltsamen Passanten darzustellen. Nachdem wir die unmittelbare Überraschung abschütteln konnten, gaben wir alles in Sachen Zeichensprache. Ganz, ganz großes Kino …
    Typische Abenteuer anderer Hersteller (D&D, etc.) spielten zu dieser Zeit größtenteils noch einen ganz anderen Sport.
    *** ENDE SPOILER ***

    WHFRP war ein „Game Changer“. Schickes Spiel, noch viel schickeres Setting. Das Hardcover-Regelwerk war ein Fest. Nicht meine erste Wahl, aber voll und ganz nachvollziehbar. Purple Hand FTW!!! WFR3 war dagegen leider eher bemüht als gut.

    Dragon Warriors ging mir immer wieder durch. Ich habe nur die Ausgabe von Mongoose Publishing und die auch nicht gespielt.

    Dennoch die Auswahl eines Connaisseurs. Auf die nächsten Antworten bin ich sehr gespannt …

  3. Pingback: #RPGaDAY2015 Tag 17 – Deine Lieblings-Fantasy-RPG? | Greifenklaue's Blog

  4. Argamae schreibt:

    Dragon Warriors… I feel you, brother. ;)

  5. Pingback: #RPGaDAY2015 – Frage 28 – BESM | MONDBUCHSTABEN

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