#RPGaDAY2015 – Frage 14 – Kladde und Paravent

14. August: Lieblings-Rollenspiel-Zubehör?

Das ist eine leichte Frage!

Die vierzehnte Frage lautet: Favourite RPG Accessory?

Zuerst ist mir die schlichte Kladde eingefallen.

kladde+paravent

Für jede Kampagne beginne ich eine eigene Kladde, in der ich die Ortsbeschreibungen und Abenteuervorbereitungen festhalte. Es ist ein chaotisches System, weil man ältere Einträge nachträglich nicht beliebig erweitern kann. Aber es hat seinen Reiz, bei der Vorbereitung konzentriert sein zu müssen, weil man nicht inkrementell schreiben kann (wie ja heute üblich ist – wer verschiebt nicht Absätze* in einem längeren Text?). Auch hat das Kratzen eines Füllers auf Papier eine ganz andere Haptik und Ruhe als das Hämmern auf einer Tastatur**.

In der Nutzung sieht das dann so aus:

Prep_Kladden

Wie man sieht, ist nicht alles Eigenbau. Ich schlachte gerne Kaufabenteuer aus, wenn ich bestimmte Arten von Locations brauche. Manchmal verwende ich auch die Raumbeschreibungen, aber oft werden die Orte auch komplett umgewidmet. Aber selbst wenn ich sie ohne große Änderungen übernehme, spiele ich lieber aus meinen (gekürzten) Aufzeichnungen als aus dem Original-Modul heraus. Zum einen habe ich die Informationen kompakter, zum anderen bin ich durch den Akt des Abschreibens mit dem Ort aufs Innerste vertraut geworden. (Ja, es hat einen Grund, dass Lehrer einen stumpf Vokabeln abschreiben ließen…)

Früher habe ich Karo-Kladden bevorzugt, heute benutze ich lieber (Blanko-) Skizzenbücher, die ein raueres, gelbliches Papier haben.

Wann immer ich im Ausland weile, versuche ich, einen Büroausttatter zu besuchen und schwelge in den manchmal so anderen Formaten und Bindeformen der Notizblöcke, -hefte, -kladden. Ich war vermutlich einer der wenigen, die die Motivation für Settembinis Ode an den Bleistift voll und ganz verstanden haben.
Und seitdem weiß ich: In England ist es fast unmöglich, bei Staples einen karierten Block zu bekommen – von Heften oder Kladden ganz zu schweigen. Da ruled die Linie, sozusagen. (Und dann wird auch verständlich, warum manche englischsprachigen Produkte Kopiervorlagen für Karoblätter hatten…) Und in einem Londoner Museum für moderne Kunst habe ich 2011 Kladden gefunden, die Punkte statt Karos haben – eine nützliche Sache, die Christian Mehrstam auch in seinem Whitehack 2nd Edition Notebook verwendet.
Dafür gibt es in Japan Schulhefte mit Riesenkaros (für Schreibübungen der Kanji) – so gleicht sich alles wieder aus.

Ein nacktes Notizbuch finde ich allerdings etwas lahm als Antwort. Darum habe ich weiter nachgedacht und bin auf ein weiteres Element gestoßen, das alle meine SL-Tätigkeiten verbindet: Spielleiterschirme.

In manchen Kreisen sind solche „Ungetüme“ ein Politikum, weil sie eine „künstliche Trennung zwischen Erzähler und Spielern schaffen bzw. betonen“.

Wer diese Trennung sehen (oder herbeireden?) will, sieht sie, das kann ich nicht beeinflussen. Ich schätze Sichtschirme, weil sie einfach extrem nützlich sind …

  • … ich kann Lagepläne hinter ihnen verstecken (an die Innenseite gelehnt, damit ich nicht durch Module blättern muss)
  • … ich kann Post-its mit Charakterdaten in der Sitzreihenfolge anbringen (Rüstung oder Abwehrwerte, Initiative- oder Reaktionswerte, Sinnesschärfe, oder bei Convention Games der Name des Charakters)
  • … ich kann eine Liste mit Spieldaten typischer Begegnungen anbringen und immer zur Hand haben (Wachleute, Diebsgesindel/Straßenräuber, Händler, Adeliger, Hund/Wolf, das „Standardmonster“ des Settings, seien es Orks oder Schwarzelfen)

Meine Lieblingsausrichtung ist allerdings das Querformat, nicht A4-hochkant, wie viele kommerzielle Sichtschirme. Ich will den Tisch ja noch sehen können…

Über meinen Fighting-Fantasy-Schirm habe ich ja schon geschrieben.

Aber wie mit den Kladden hat so ziemlich jede Kampagne ihren eigenen Paravent bekommen:

paraventparade

AD+D screenAD+D screen mirror

Was ich gerne gemacht habe: Spiegelfolie auf die Innenseite kleben! Das hatte zwei Auswirkungen – zum einen nahm es mir als SL das Gefühl der Enge, zum anderen machte es den Bereich auf meiner Seite heller.

So, und nachdem ich meine eigenen Schirme beschrieben habe, wollte ich noch den einen erwähnen, der mir vor vielen, vielen Jahren auf dem Gen Con aufgefallen ist. Da hat jemand den Hartpappen-Paravent des schwedischen Fantasy-Heartbreakers Mega verwendet. (Dieser Schirm war erstaunlich populär, allein in Hannover kannte ich mehrere Leute, die ihn hatten – ohne das System selbst zu kennen. Aber es war ein Schirm ohne Logo und einer unspektakulären Mittealterlandschaft, und damit geeignet für Midgard und andere Spiele.)

Mega_Screen

Auf dem Gen Con hatte jemand ein 3-D-Papiermodell von Mont Saint Michel davor platziert, was ein großer Hingucker war!
Es war lange, bevor man allüberall sein Handy parat hatte, um einen Schnappschuss zu machen, weshalb ich hier nur eine krude Montage anbieten kann – so ungefähr hat es ausgesehen:

Mega_Screen_St-Michel

* Ja, das habe ich in diesem Beitrag auch getan…
** In dem Foto sieht man oben mittig und links zwei Kurzabenteuer, die ich für Conventions vorbereitet habe. Diese sind nicht handgeschrieben, sondern liegen als 8-seitige DIN-A5-Broschüren vor. Für Conventions und One-Shots habe ich keine Kladde. Warum eigentlich nicht?
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9 Antworten zu #RPGaDAY2015 – Frage 14 – Kladde und Paravent

  1. Argamae schreibt:

    Grundgütiger: MEGA! *Lach* Das Ding und den Schirm hatte ich auch mal. Furchtbares Teil. Aber als generisches „Mittelalter“-Bild ohne die typischen Überfrachtungen anderer Vertreter vermutlich brauchbar.
    „Kladde“ find ich schön als Antwort. Benutze ich selbst aber so gut wie gar nicht mehr, da bin ich mit der Zeit gegangen.

  2. Mondbuchstaben schreibt:

    Das weiß ich sogar, dass du das mal hattest!

    Als ich gestern nach dem Spiel googelte, weil ich wissen wollte, aus welchem skandinavischen Land das eigentlich kam (ich habe es nie besessen, nur den Schirm), kam dein Verkaufsthread als zweiter oder dritter Treffer… das fand ich sehr amüsant, weil es wie eine Bestätigung meiner Formulierung „war erstaunlich populär“ wirkte.

  3. Pingback: #RPGaDAY2015 Tag 14 – Dein Lieblings-Rollenspielzubehör | Greifenklaue's Blog

  4. Argamae schreibt:

    Echt? Ich schmeiß mich weg! ;) Vermutlich sind zwei von zwei Menschen in Deutschland, die das mal besessen haben.

  5. greifenklaue schreibt:

    Vor den selbstgemachten SL-Schirmen hab ich hohen Respekt – wie lange dauerte es denn so – also das Basteln? Ich bin von SL-Schirmen total weg, wobei mir Deine Funktionen als einiige der sinnvolleren erscheinen.

    Kladde find ich auch super, halte ich nicht durch, ich hab immer Zettelwirtschaft. Mittlerweile übers Netz geführt und weniger zettelig …

  6. Pingback: #RPGaDAY2015 – Frage 15 – Fenriswolf – Midgard | MONDBUCHSTABEN

  7. Mondbuchstaben schreibt:

    Oh, Zettelwirtschaft habe ich auch – vor dem Ausformulieren in die Kladde. Der Rohentwurf eines Abenteuers, Namenslisten, R-Map, Kartendesign, das passiert in einer Loseblattsammlung. Und wird hinterher entsorgt.

    Das Basteln der Schirme geht eigentlich ganz schnell. Diese kleinen One-Shot-Schirme von Con-Runden (dieser blaue Pathfinder-Screen zum Beispiel) baue ich in 15 Minuten, wenn ich die Materialien parat habe. Die meiste Zeit geht vorher drauf, mit Kauf des Kartons (A4 oder A3 Bastelkarton), Farbkopie der Wunschillustration und Kopien oder Tippen der Tabellen für die Innenseite. Das Schneiden und Kleben geht dank Cutter und Metalllineal ratz-fatz.

    Die großen schwarzen Schirme waren etwas aufwändiger. Die waren aus 1,0 bzw. 1,5 mmm Kroma-Pappe, bezogen mit mattschwarzer PVC-Folie (alles andere als ein ideales Bezugmaterial, da Kunststofffolie mit der Zeit einreißt). Das Material hatte ich damals ständig zur Hand, das eigentliche Kaschieren hat wohl 30-45 Minuten gedauert.
    Der größte Schirm war aus komplett schwarzen Buchdeckeln, ein Druckereiabfall, der nur innen die Spiegelfolie bekam, was viel einfacher war, da diese nicht um die Kanten gelegt werden musste.
    Das Bedrucken der Dinger mit dem Logo war dann allerdings nochmal 1 Stunde, alle Arbeitsschritte eingerechnet.

  8. Heiko Ludwig schreibt:

    Die Notizbücher mit Punktraster gibt’s auch von einem deutschen Hersteller: Leuchtturm1917
    (z.B. https://www.leuchtturm1917.de/notizbuch-master-classic-a4-hardcover-233-numerierte-seiten.html )

  9. Pingback: Best of #RPGaDAY2015 – Klaues Lieblingsantworten 2/3 | Greifenklaue's Blog

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