#RPGaDAY2015 – Frage 12 – Josef Ochmann – Midgard

12. August: Lieblings-Rollenspiel-Illustration?

Das Grundregelbuch von DSA5 ist dieser Tage erschienen, und ich bin erstaunt, wie häufig das Aussehen des Buches gelobt wird: die Gestaltung, die Illustrationen, die Fülle der Illustrationen. Nicht falsch verstehen, ich wundere mich nicht, dass diese Gestaltung so gelobt wird (das, was ich davon selbst gesehen habe, ist ein Hingucker); ich wundere mich, dass die DSA-Blogger derart euphorisch Äußerlichkeiten bewerten, nachdem eineinhalb Jahre lang doch eher über den Inhalt gemutmaßt und gestritten wurde (was war das alles – Halbierung der Parade, neue Handhabung des TAW, Gleichschaltung von karmaler und sakraler Magie…).

Ein willkommener Anlass, auch ganz allgemein über Artwork im Rollenspiel zu sinnieren…

Die zwölfte Frage lautet: Favourite RPG Illustration?

Über das „Gesicht“ unseres Hobbys habe ich vor 5 Jahren schon mal geschrieben, und meine Meinung gilt heute noch:

Aber wenn es darum geht, welches Cover ich am meisten mit dem Hobby “Rollenspiel” verbinde, dann dieses:

Midgard_2Dieses Motiv von Josef Ochmann war lange das Aushängeschild von Midgard. Es zierte sowohl das Regelbuch der zweiten Edition als auch die Einsteigerbox der dritten Edition.
Diese Szenerie hat mich derart gefangen genommen, dass ich sie als Werbeposter für die Rollenspiel-für-Einsteiger-Runde im Spieleladen in Hannover verwendete. Fünf Jahre lang hing es in der Tür des Ladens am Schwarzen Bären und lud gewöhnliche Brettspieler und Rollenspielumsteiger dazu ein, Midgard auszuprobieren.

Seitdem habe ich viele Cover (und die dazugehörigen Spiele) kommen und gehen gesehen, aber kaum eines hat je wieder “zu mir gesprochen”, auch wenn ich manche handwerklich oder künstlerisch sehr gelungen fand.

Keine Dungeon-Action, keine Kämpfe gegen Drachen (obwohl das Cover der Pathfinder-Beginner-Box auch nicht zu verachten ist).

Es steckt bestimmt auch ein Hauch Nostalgie in der Entscheidung, aber nicht nur. Als ich Midgard entdeckte, habe ich schon andere Spiele gespielt und geleitet. Nein, das verborgene Tal von Midgard stellt für mich genau den Typus von Abenteuer dar, den ich am liebsten spiele: das schrittweise Erkunden einer Spielwelt.

Dieses Cover hat tatsächlich auch ein Abenteuer in einer Midgard-Kampagne inspiriert. Die Burg auf dem Felsen (die im Abenteuer anders aussah, da der Plan einen völlig anderen Grundriss hatte) war Caer Morgûl, das Ziel der Queste eines Charakters – die verborgene Heimstatt des Letzten einer uralten Linie von Zauberkönigen.
Im Inneren der Mauern fand ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Bewohnern und den Charakteren statt, die als Gäste dort weilen durften (und die Geheimnisse der Festung ausspionieren wollten). Was leicht zu einem Dungeon-Abenteuer hätte verblassen können, wurde zu einem ausgedehnten sozialen Encounter mit nächtlichen Heimlichkeiten und Erweckungen magischer Geheimnisse. Am Ende war der Charakter tatsächlich der allerletzte Spross der alten Magierlinie…

Aber ich wollte noch etwas über Artwork im Rollenspiel schreiben. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber ich finde heute Artwork im Rollenspiel überbewertet. Oder besser gesagt das heutige Artwork? Oder den heutigen Umgang mit Artwork?

Ich bin ein visueller Mensch, ich liebe Comics und Zeichner und Maler. Ich versinke in den Federzeichnungen von Hayao Miyazaki, ich liebe die Stilisierungen der Pixelart der Superbrothers und in Mike Mignolas Grafiken (und all seiner Epigonen). Als die Rollenspiele langsam bunter wurden, habe ich das sehr genossen. Es gibt so einige (Rollenspiel-)Bücher, die ich allein wegen der Optik gekauft habe (und auch immer noch als Artbooks liebe).

Meine Begeisterung für die französische Rollenspiellandschaft war auch eine Begeisterung für die visuelle Ausdruckskraft der französischen Verlage, die ihre oftmals exotischen Welten detailreich und vierfarbig vor dem Leser ausbreiteten. Guildes, Cadwallon, Dark Earth, das waren mutige und opulente Projekte. Dann wurde auch der englisch- und deutschsprachige Markt bunter, AD&D Planescape, Earthdawn, BESM 2, D&D3, Savage Worlds, Arcane Codex, LotR, Star Trek, Dune, DSA4, Pathfinder, D&D4, D&D5, Midgard 5 … Und doch – wenn ich mir anschaue, was ich tatsächlich zum Spielen verwende, fällt mir auf, wie wenig Farbe und manchmal überhaupt Illustration nötig ist.

Die Rollenspiele, die mir in den letzten 10 Jahren größten Nutzen bereitet haben, waren alle „nur“ schwarzweiß: Swords & Wizardry, Whitehack, LotFP, Midgard für Einsteiger (aber auch die, die ich mit größtem Vergnügen nur gelesen habe: OneDice, dK, Dragon Warriors, Pits & Perils, Beyond the Wall, Koyake Yuuyake, Ryuutama, und Meikyuu Kingdom, das ich noch nicht einmal lesen konnte…)

Ich bin immer noch kein Verächter von Artwork, und mir ist ein Buch mit einem ansehnlichen Cover und ansehnlichen Innenillus allemal lieber als eine Bleiwüste (Whitehack mit Mignola Artwork, immer her damit!) – aber es gibt tatsächlich ein „Zuviel“.
Ich betrachte das heutige Überangebot an Farbillustrationen eher negativ. Die Künstler verkaufen sich alle unter Wert, wobei ich nicht einmal die monetäre Entlohnung meine, sondern die Aufmerksamkeit, die auf sie entfällt. Fast jedes Artwork im Innenteil eines heutigen Regelbuches wäre früher ein Cover gewesen!
Beim Blättern durch D&D3, Pathfinder, D&D5 (vielleicht auch DSA5?) stumpfe ich jedenfalls ab, werde blind für die Eigenheiten der Grafiken. Alles verwäscht zu einem Farbteppich aus beige, braun und grün.

Aber es gibt wohl kein Zurück, denn ungeachtet meiner persönlichen Wahrnehmung verkaufen sich bunte Bücher einfach besser…

Und Symbaroum sieht nun mal einfach schick aus!

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5 Antworten zu #RPGaDAY2015 – Frage 12 – Josef Ochmann – Midgard

  1. Argamae schreibt:

    Gerade die Artwork in D&D 5 ist sehr abwechslungsreich und vielschichtig geraten, mit wirklich liebenswürdigen Details und ohne allzu sehr „Überhelden“ mit übertriebenen Ausrüstungsteilen zu propagieren. Hat mich sehr positiv überrascht. Allerdings gebe ich Dir absolut recht, daß es ein „Zuviel“ gibt und weniger Illus natürlich die Aufmerksamkeit stärker auf jedes einzelne Bild konzentrieren.

  2. Argamae schreibt:

    Achso, zu Deiner Wahl: ja, es ist ein schönes Motiv, daß viel „Abenteuer“ und „Entdeckungslust“ atmet. Da ich Midgard nie mochte, hatte ich diesen Klassiker auch gar nicht auf dem Schirm. Aber es hat was, definitiv.

  3. Argamae schreibt:

    Und es ist ja noch ein kleines Detail in dem Bild versteckt… der Krieger blickt erstaunt dorthin… leider ist es in deinem Bildausschnitt nicht zu sehen. Ich meine, das da etwas hinter dem Baum hervor guckte oder so. ;)

  4. Athair schreibt:

    … was das (heutige?) Artwork angeht, bin ich ganz bei dir. Mir hat gerade D&D 5 in der Hinsicht überhaupt nicht gefallen. Alles recht glattgebügelt, großflächig (sodass man perspektivische Fehler besonders gut sieht, wenn man ein Auge dafür hat), … und dann: Viel zu viele Charakterbilder. Gerade das Letzte stört mich bei FFG Star Wars, DSA 5, D&D 5 – den großen halt – besonders. Ich will in die Welt eintauchen auf Abenteuer ausziehen und nicht nur NSC kennen lernen. Wo sind die abenteuerlichen Situationen? Die verwunschenen Orte? Straßenszenen?

    Wie man’s besser macht zeigt z.B. LotFP oder auch D&D 4.

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