#RPGaDAY2015 – Frage 1 – The Dark Eye

1. August: Welches angekündigte Spiel erwartest du am sehnlichsten?

Es ist wieder soweit –  im letzten Jahr habe ich diesen Fragenkatalog verpasst, aber diesmal bin ich dabei. Der August ist also dem #RPGaDAY-Spektakel gewidmet.

Die erste Frage lautet: Forthcoming game you’re most looking forward to?

Da hat Ulisses ja passenderweise eine Steilvorlage geliefert: The Dark Eye.

Ich bin extrem gespannt, wie sich der zweite Anlauf, DSA und Aventurien auf den englischsprachigen Markt zu bringen, entwickeln wird. Der erste Versuch, den FanPro 2003 zusammen mit Fast Forward Games unternommen hat, verhallte nahezu ungehört. Die einzige Rezension auf RPGnet ist noch nicht einmal aus dem Zeitraum des Erscheinens, sondern ein „ten years later“ Rückblick, der auch eine „Analyse“ (na gut, Kaffeesatzleserei) des Scheiterns enthält:

  1. Die Übersetzung wird zwar als fehlerfrei gelobt, aber gleichzeitig als zu dicht an der Vorlage empfunden – zu viele neue Begriffe und Abkürzungen, die sich von dem unterscheiden, was in der RPG-Szene üblich ist. (Warum hat Kiesow Schadenspunkte „Trefferpunkte“ genannt, wo er doch selbst den Begriff Trefferpunkte in seiner D&D-Übersetzung definiert und etabliert hat?)
  2. Fehleinschätzung des potenziellen Marktes: Neben D&D3 und seinen d20-Ablegern war kein Platz für ein weiteres Regelschwergewicht, zumal wenn es ebenfalls einen w20 verwendete. Ohne Marketingbudget gab es keine Möglichkeit, eine kritische Masse an Spielern zu begeistern, die ein selbstlaufendes soziales Netzwerk bilden. (Letzteres ist etwas, was viele Verlage aus Übersee nicht bedenken – Multisim hat auch gedacht, amerikanische Spieler hätten nur auf Agone gewartet…)
  3. Unpassendes Timing: Die Zeit der Regelschwergewichte neigte sich dem Ende zu. FATE, Savage Worlds, Castles & Crusades und nicht zuletzt die ganze OSR standen vor der Tür.
  4. Zu wenig Support: Aventurien ist unfasslich detailliert – dies ist einer der Pluspunkte des Spieles und eine der Informationen, die immer wieder in englischsprachigen Foren betont wird, wenn einmal die Rede auf DSA kommt. Wenn sich dieser versprochene Detailreichtum dann aber nicht in Produkten manifestiert, entsteht schnell der Eindruck, dass „man etwas verpasst“.

Ich weiß nicht, inwieweit sich die Situation heute von 2003 unterscheidet…

Laut nachgedacht:

Hätte DSA ein leichteres Spiel, wenn Ulisses vor der aktuellen Edition das 1985er Basis Spiel übersetzen würde, quasi als internationalen Beitrag zur OSR, um wenigstens in diesem extrem gut vernetzten Teilbereich der US-Szene Aufmerksamkeit und ggf. Wohlwollen zu erregen?

DSA1 ist ein funktionales, minimalistisches System, das vermutlich auf fruchtbaren Boden fallen würde, wenn es unter OGL oder CC-Lizenz freigegeben werden würde. Die OSR-Szene ist bekannt dafür, schnell Hacks und Erweiterungen und Abenteuer zu produzieren, was DSA eine gewisse Sichtbarkeit und Diskussionen in verschiedenen Foren verschaffen würde… Neugierde auf die „Vollversion“ wäre dann geweckt, und der Fuß zumindest in der Tür.

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8 Antworten zu #RPGaDAY2015 – Frage 1 – The Dark Eye

  1. Pingback: #RPGaDAY2015 | Richtig Spielleiten!

  2. Mondbuchstaben schreibt:

    Huch, da habe ich wohl aus Versehen auf „Veröffentlichen“ statt „Speichern“ geklickt und der Beitrag ist einen Tag zu früh online gegangen…!

  3. Ingo schreibt:

    Letztes Jahr waren „wir“ noch sehr wenige aus D. Dieses Jahr machen wohl mehr Leute mit. Schön. Interessante und meines Erachtens gut durchdachte These über den Misserfolg von The Dark Eye.

    Werde Deine #Rpgaday2015 – Beiträge wohl weiter verfolgen. Viel Spaß.

  4. Mondbuchstaben schreibt:

    Bei den Punkten 1-3 bin ich mir nicht so sicher, wie ausschlaggebend sie waren. Jeder von ihnen allein hätte bestenfalls ein Hindernis bedeutet, das man aber überwinden kann. (Nach der Argumentation von Punkt 2 wäre ja auch kein Platz mehr für Splittermond auf dem deutschen Markt, weil das Segment von DSA und Pathfinder fest abgedeckt wird.)

    Ich bin ja der Meinung, dass ein entscheidender Grund für das Scheitern von The Dark Eye in der Liste noch fehlt:

    5. Der fehlende bzw. falsche Vertrieb. Fast Forward Games war nicht gerade die glücklichste Wahl als Vertriebspartner. Der Verlag war bekannt und berüchtigt für zusammengeschusterte d20-Produkte, die zwar von namhaften AD&D-Autoren stammten (z.B. Jim Ward), aber im Vergleich mit Sachen, die Green Ronin, Atlas und Necromancer Games machten, schäbig aussahen.

    Aber ohne schlagkräftigen Vertrieb, der die Produkte in die Regale der Läden bekommt, und ohne Folgeprodukte, die erst die inhaltliche Vielfalt von DSA und Aventurien aufzeigen, war der erste Anlauf zum Untergang verurteilt. So war das Basisbuch nur ein unsichtbarer, komplexer Fantasy Heartbreaker unter sehr, sehr vielen…

  5. Ingo schreibt:

    Es bleibt dabei. Du legst einige gut durchdachte Argumente vor. Ich bin bekanntermaßen kein DSAler und schon gar kein Experte, aber ich erinnere mich noch dunkel. Zu dieser Zeit arbeitet ich noch in der Branche, glaube ich.

    Ich möchte noch einen Punkt anbieten.

    DSA ist in D über Jahrzehnte marktdominierend „gewachsen“, d. h. ich gehe davon aus, sehr viele sind – hierzulande – mit dem Klassiker aufgewachsen und älter geworden. Diese Bindung fehlt im englischsprachigen Ausland. Ich halte dies für einen wesentlichen Erfolgsfaktor. DSA war und ist das Haus- oder Erstsystem vieler Rollenspieler im deutschsprachigen Raum.

    Es sind sicherlich verschiedene Einflüsse für das erste Scheitern von The Dark Eye verantwortlich.

    Um ehrlich zu sein, ich verstehe den deutschen Markt nicht, oder besser ich versuche es nicht mehr. Meine aktuelle These lautet, wenn ich ein Spiel „richtig schlimm“ finde, dann stehen die Chancen, dass es der hiesige Markt annimmt, sehr gut (siehe Splittermond, Numenera, Pathfinder).
    Agone mochte ich – zumindest das Setting. Leider. (Sorry, diese Selbstironie musste sein.)

    Markus P., der Chef von Ulisses, ist ein Freund und kluger Kopf. Shane H. (SaWo/Peginc.) mischt meines Wissens beim aktuellen Versuch mit. Das neue Material wird voraussichtlich nicht schlecht aussehen. Eine „schäbige“ Produktion könnte ggf. auf TORG: Eternity abfärben, was sicher nicht cool wäre.

    Ob das neue The Dark Eye ein Erfolg wird, steht auf einem anderen Blatt, es sollte mit Borbarad (oder wie der aventurische Über-Antagonist auch immer heißen mag) zugehen, wenn diese neue Markterschließung nicht besser gemacht sein wird.

    Warum wartest Du eigentlich nicht auf Das Schwarze Auge, oder willst Du tatsächlich die englische Ausgabe spielen?

  6. Pingback: #RPGaDay 2015: Tag 1 – Welchem Spiel fieberst du am meisten entgegen? | Greifenklaue's Blog

  7. Mondbuchstaben schreibt:

    Ja, die gewachsene Bindung fehlt völlig, und sie ist nicht zu unterschätzen. Viele Leute, die heute noch DSA-Produkte kaufen, tun dies aus Gewohnheit und Liebe zu Aventurien. Sie spielen DSA schon länger nicht mehr, wollen aber wissen, wie es mit ihrem ehemaligen Zuhause weitergeht.

    Um sich auszumalen, wie der amerikanische Markt auf DSA5 reagieren könnte, muss man sich einfach dieses Szenario vorstellen:
    Wie würde DSA auf dem deutschen Markt aufgenommen werden, wenn es ein ausländisches Spiel wäre und heute erstmals übersetzt würde – 3w20-Probe und Metaplot im Schlepptau? Wie würden wir reagieren, wenn da jemand käme und sagt, die Stärke des Spiels sei eine organisch gewachsene, erspielte Welt, von der wir die ersten 30 Jahre verpasst haben – und die wir nie nachholen können (so wie kaum jemand Perry Rhodan oder The Amazing Spider Man in allen Nuancen nachholen kann)?

    Warum wartest Du eigentlich nicht auf Das Schwarze Auge, oder willst Du tatsächlich die englische Ausgabe spielen?

    Die Frage war nicht nach einem kommenden Spiel, das man tatsächlich spielen möchte, nur nach dem Spiel, dessen Erscheinen man sehnlich erwartet…

    Wenn ich wirklich nochmal DSA spiele, dann nur in „old school mode“, vergleichbar White Box D&D: DSA 1 mit einem eigenen Setting.

  8. Pingback: #RPGaDAY2015 – Frage und Antwort 2 | Jaegers.Net

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