Börsenverein: E-Books unterliegen der FSK-Prüfung

Wie weit sind wir noch hiervon entfernt?

Da Vinci FSK 0Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat gestern seinen Mitgliedern (und der buchlesenden Öffentlichkeit) etwas unscheinbar im Protokoll zweier Ausschusssitzungen eine Nachricht mitgeteilt, die er selbst als „leider kein verspäteter Aprilscherz“ bezeichnet:

E-Books sind Telemedien und unterliegen (wie DVDs und CD-ROMs) dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Bis 2017 sollen E-Books also einer noch näher zu benennenden Freiwilligen Selbstkontrolle unterzogen werden und FSK-Einstufungen bekommen.

Da dies nur Verkäufe von Deutschland aus betrifft und Amazon bekanntlich in Luxemburg weilt, ist dies ein Schuss in den Ofen und benachteiligt mal wieder nur die heimischen Läden.

Für die deutsche Politik und Justiz ist das Internet eben doch noch Neuland.

Im zweiten Link findet sich auch die Nachricht, dass die Bundle-Besteuerung, die Ulisses dazu bewogen hat, Abstand von Bundles zu nehmen, ein „kaum zu lösendes Problem“ darstellt. (Wie werden eigentlich PDF-Bundles englischer Bücher – Bits & Mortar – abgerechnet, die über deutsche Shops angeboten werden?)

Zum Thema PDF-Preise (und Preisbindung) findet sich in einer Meldung zu einer dritten Sitzung auch etwas: Die Buchpreisbindung von E-Books wird schon zum 1.1.2016 anvisiert, und der Justiziar des Börsenvereins hat Preisaktionen bei E-Books „im Blick“. Aktionen wie diese bei Prometheus gehören dann wohl auch der Vergangenheit an.

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5 Antworten zu Börsenverein: E-Books unterliegen der FSK-Prüfung

  1. Pingback: FSK-Prüfung und Buchpreisbindung für PDF’s?! » Gelbe Zeichen

  2. RPGnosis schreibt:

    Das macht beinahe sprachlos.
    Manche Leute sollten auf einsame Inseln verbannt werden. Wo sie dann zurecht im Neuland wären.

  3. Thomas Römer schreibt:

    „E-Books sind Telemedien und unterliegen (wie DVDs und CD-ROMs) dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Bis 2017 sollen E-Books also einer noch näher zu benennenden Freiwilligen Selbstkontrolle unterzogen werden und FSK-Einstufungen bekommen.“
    Wo genau findet sich diese Aussage in rechtsfester Form? Ich habe schon einen halben Tag lang rumgegoogelt und nix gefunden. Ist das vielleicht vorauseilender Gehorsam, weil irgendwo mal wieder ein Referentenentwurf in einem Ministerium kreist? Oder ist das Wunschdenken des Börsenvereins, ser jetzt symbolisch ein paar Krokodilstränen vergießt?

  4. Mondbuchstaben schreibt:

    Das habe ich auch versucht herauszufinden, und nichts gefunden. Nun berichtet der Börsenverein nur die Ergebnisse einer Sitzung, und nicht die detaillierten Inhalte, die dort diskutiert wurden. Ich bin leider nicht Teil dieses Ausschusses und weiß nicht, worauf der Justiziar des Vereins seine Beurteilung stützt. Ich bin mir aber sicher, dass diese Entwicklung nicht im Sinne des Börsenvereins und der Verlage ist, die er repräsentiert.

    (Vielleicht trommeln sie auch nur, um die Verlage und die Öffentlichkeit zu einer Welle der Entrüstung aufzufordern? Dafür war die Meldung aber nicht öffentlichkeitswirksam genug. Ich wäre ja froh, wenn sich das alles als Sturm im Wasserglas entpuppen würde!)

    Wenn ich das alles weiterdenke, komme ich zwangsläufig auf die Frage, was eigentlich ein „E-Book“ im Sinne des Gesetzes ist. Wann ist ein PDF ein E-Book, wann nur ein PDF? Was ist ein Charakterbogen, der als Download angeboten wird? Was ist mit Bonusmaterial wie Landkarten und Dungeonplänen, die in größerer Auflösung, für VTT oder als Datei für den Copyshop angeboten werden? Ist VTT wie (ein hypothetisches deutsches) Roll20 ein Telemedium, wenn Inhalte aus einem Abenteuermodul derart veröffentlicht werden?
    Ist das Buch ein E-Book, wenn es nicht als PDF, sondern als JPG veröffentlicht wird?
    Wird der gleiche Content, der in einem Buch steckt, als Serie von Blogposts auf dem Verlagshomepage veröffentlicht – ist es dann ein (kostenloses, aber FSK-pflichtiges) E-Book?

    Und was mich wirklich fuchsig macht, ist die Inkonsequenz, mit der E-Books und Druckprodukte bewertet werden. Sorben hat auf Gelbe Zeichen ganz richtig gesagt:
    Zum einen gelten elektronische Publikationen nicht als Buch, sie gelten als Telemedien. Das bedeutet Es gilt der volle Mehrwertsteuersatz und eine FSK-Prüfung ist wie bei Computerspielen oder Filmen Pflicht.(…) Bisher bezahlen wir für PDF’s auch den vollen Mehrwertsteuersatz also ist dies keine Änderung. (…)

    Der nächste Punkt ist dann schon etwas anderes: Die Buchpreisbindung. Ich bin ein Befürworter der Buchpreisbindung, aus verschiedenen Gründen. Bei PDF’s hingegen nicht. Es deckt sich ja auch mit der Annahme des Gesetzgebers, dass es sich bei elektronischen Publikationen eben um Telemedien und nicht um Bücher handelt.

  5. Sorben schreibt:

    Ich glaube, dass elektronische Textdateien nicht als Buch sondern als Telemedien gelten, wird damit begründet, weil der Begriff „Buch“ konservativ ausgelegt nur für gedruckte Werke mit einer bestimmten Seitenzahlen gelten, somit wird eben ausgeschlossen, dass Dateien als Buch gelten können. Persönlich halte ich das alles für Schnickschnack und etwas veraltet, aber meine Meinung wird nichts zur Sache beitragen. Letztendlich sehe ich auch nicht unbedingt ein Problem für den Kunden, außer vielleicht eine Preissteigerung, weil die Verlage den gesetzlich geforderten Mehraufwand gerechtfertigter Weise weitergeben. Was mich aber wie dich auch fuchsig macht, ist die Inkonsequenz: Entweder Buch oder Telemedium, Buchpreisbindung und voller Mehrwertsteuersatz und dann noch FSK Prüfung passt absolut nicht zusammen.

    Gut, der Nachteil, der erst einmal nicht spürbar sein wird, ist, ob Verlage überhaupt noch ein Interesse an der PDF Veröffentlichung haben und sich nicht vielleicht nach und nach daraus zurückziehen, sofern der rechtliche Aufwand, die Steuern und geringere Gewinnmargen das ganze unlukrativ machen.

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