Dungeonslayers Basisbox

Dungeonslayers ist wahrscheinlich die Erfolgsgeschichte des jüngeren deutschen Rollenspielgeschehens. Vor gerade mal 5 Monaten ist die Druckversion erschienen und die erste Auflage war in beinahe Nullkommanichts ausverkauft. Statt das handliche A5-Buch schlicht und einfach nachzudrucken, wurde nun eine ebenso handliche Box drumherum gepackt und dem Spiel genau das hinzugefügt, was ihm fehlte, um es von einem Kompaktsystem für alte Hasen zu einem idealen Einsteigerrollenspiel zu machen.

Die Box enthält:

  • das 168-seitige* Softcover-Regelbuch
  • Einstieg ins Abenteuer: ein 32-seitiges* Spielleitertutorial
  • eine farbige DIN A3-Version der Karte des Settings Caera (mit einem Dungeon-Bodenplan auf der Rückseite)
  • 7 vorbereitete Charaktere
  • 5 Blanko-Charakterbögen
  • einem Stanzbogen mit Countern der 7 Charaktere und der Monster des Einsteiger-Abenteuers

Die Box ist so voll (euphemistisch für knapp geschnitten), dass für nichts sonst mehr Platz ist. Leider auch keine Würfel, was für ein w20-basiertes Einsteigerspiel eine kleine Hürde darstellt. Dafür gibt es im Spielleitertutorial eine Tabelle nach Einsamer-Wolf-Manier zum Mit-dem-Stift-draufpieken; ein [1w20: 1-10 adäquater ; 11-20 inadäquater] Ersatzmechanismus.

Zur Verdeutlichung, wie knapp die Box ist: Das erste Abenteuer Die Minen von Crimlak würde gerade noch so eben mit reingehen, wenn man es zu einer Session mitnehmen wollen würde.
Ich finde die Enge der Box etwas schade. Ich habe gerne etwas Luft in offiziellen Regelboxen, damit ich alle eigenen Materialien mit hinzufügen kann – ein Abenteuer, eine Kladde, Würfel, ggf. Stifte – und alles beisammen habe.
Auch von einem Marketingstandpunkt ist die Enge nachteilig: Die Box ist so verdammt schmal, dass sie im Laden unterzugehen droht, sobald der Reiz des Neuen vorbei ist und der Ladenknecht sie von der frontalen Neuheitenpräsentation ins Regal verbannt. Das war ja schon ein Problem für das Softcoverbuch allein, darum wurde hier eine Chance vertan, Dungeonslayers eine dauerhafte Sichtbarkeit zu geben.

Über das Spiel selbst muss ich nicht mehr viel sagen. Das Regelbuch ist bis auf minimale Änderungen (Korrekturen, keine echten Neuerungen) identisch mit der ersten Auflage. Somit gilt meine Meinung, dass wir hier eines der besten derzeit in deutscher Sprache erhältlichen Fantasy-Rollenspiele haben, immer noch.
Durch die Basisbox hat es diesen Status sogar noch steigern können – jetzt ist es auch noch das beste in deutscher Sprache erhältliche Einsteiger-Rollenspiel.

Das Spielleitertutorial hat zwar nicht die Kraft und Brillianz des Tutorials aus Lamentations of the Flame Princess, aber es erläutert klar und deutlich, was unser Hobby ist, wie man es spielt, usw.
Es gibt einen langen Spieldialog, der den Anfang des beigefügten Einsteigerabenteuers beispielhaft darstellt, immer unterbrochen von dem Hinweis, dass dies nur eine mögliche Entwicklung des Plots ist und dass die Spieler alles auch ganz anders machen können.
In dem Abenteuer geht es um eine klassische Situation: ein kleines Mädchen ist von Goblins entführt worden und die zufällig im Ort anwesenden „Helden“ werden gebeten, doch in der finsteren, verfluchten Höhle nachzusehen, ob sie es retten können.
Das Layout der Höhle ist als miniaturen-(bzw. couter-)tauglicher Bodenplan** auf der Rückseite der Landkarte enthalten: 5 Kammern und ein Eingang, überschaubar und genau richtig für eine erste Session.

Was Dungeonslayers auszeichnet, ist der große Fundus an (einsteigertauglichen) Materialien, mit denen ein angefütterter Neuspieler weitermachen kann. Nach dem Abenteuer im Tutorial gibt es noch drei zusammenhängende Kurzabenteuer im eigentlichen Regelbuch.
Danach gibt es die Sammlung an Dungeon-2-GoDownloads auf der offiziellen Homepage, oder auch das erste separat erhältliche Abenteuermodul Die Minen von Crimlak, das eine Siedlung als Heimatbasis und ein Tal als Schauplatz der ersten Kampagnenschritte anbietet.

Damit ist DS so manchem anderen System, das erstmal mit einer Basisbox kommt und dann monatelang gar nichts folgen lässt, weit voraus. Dungeonslayers hat sich schon jetzt seine Nische im deutschen Fantasy-Rollenspielmarkt mehr als verdient, und es würde mich nicht wundern, wenn diese Nische immer größer würde!

* kleiner Schönheitsfehler: die Paginierung der Seiten ist falsch
** der zweite Schönheitsfehler, der sich wie ein roter Faden durch alle Dungeonslayers-Produkte zieht: die Karten sind zu dunkel, um alle Details erkennen zu können
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5 Antworten zu Dungeonslayers Basisbox

  1. Athair schreibt:

    Irgendwie liegt DS so überhaupt nicht auf meiner Wellenlänge.
    Was mich dennoch interessiert: Was macht Dungeonslayers zum besten deutschen Einsteigersystem?

    Addendum:
    Ich werd wahrscheinlich im Jungscharzeltlager „Das Erste“ für die Kids leiten.
    Zuerst sind aber die anderen Spielezelt-Mitarbeiter „dran“.

  2. Ischtar schreibt:

    Was es zum besten einsteigersystem macht ?

    In meinen Augen die Übersichtlichkeit und einfachheit der Regeln. In meinen nunmehr 16 Jahren Rollenspielerfahrung habe ich bemerkt das die größte Hürde vieler Neulinge ein Anfangs unüberschaubare Regelwerk ist. Regionalbeschreibungen, Hunderte von Zahlen, Feinheiten zwischen Charakterklassen was auch das Charakterplay verkompliziert … daher habe ich zwischenzeitlich für Interessierte auch das DSA 1 System aus den Schwarzen Jubiläumsbänden herraus geholt um den Einstieg zu erleichtern. DS bietet hingegen noch den Vorteil der nicht komplett ausformulierten Welt sodas ich als Spielleiterin sogar noch auf besondere Vorlieben meiner Helden eingehen kann. Bei DSA hingegen habe ich in Vergangenheit das Problem gehabt das ich Regelfuchser unter den Spielern hatte die Lautstark protestiert haben wenn ich etwas aus dem Regelwerk mal „ein wenig gebogen oder verändert habe“ … Zitat: „Entweder wir Spielen so wie es da steht oder gar nicht …“ oder „Wenn man sich nicht an die Regeln hält wären sie sinnlos“ meistens endete die Disskussion immer mit Letzterem (inzwischen habe ich auch die Gruppe gewechselt)

    Lange rede kurzer Sinn … mir kommt DS sehr entgegen nach vielen Jahren DSA, Shadowrun, D&D u.a. es ist erfrischend … anders ;)

  3. Bastian schreibt:

    Als jemand der sich auf dem deutschen Rollenspielmarkt nicht ganz so gut auskennt und dem auch Dungeonslayers neu ist, stelle ich mir eigentlich die selbe Frage wie Athair.

    Vor allem stelle ich mir aber mittlerweile immer mehr auch die Frage, ob wir in diesem Hobby nicht zu sehr nach innen schauen und zu wenig nach außen. Ich muss sagen, so eine Box finde ich ja immer verlockend und spiele jetzt auch mit dem Gedanken, mir das anzusehen. Wenn i8ch dann aber vom 168-seitigen Regelbuch höre, muss ich schlucken und frage mich, wo da noch das Einsteigerspiel ist. Es scheint ja so, als wäre DS nicht mit dem Gedanken geschrieben worden und das mag es wohl auch erklären, aber was macht denn DS nun Einsteigerfreundlicher als jedes andere Rollenspiel im Regal? So ein dickes Buch, hätte ich zumindest zu meinen Rollenspielanfängen ungern gelesen und frage mich auch, ob ich da neue Spieler nicht lieber mit einem Retro Clon wie der Swords&Wizardry Whitebox einführen möchte, die doch deutlich knapper ausfällt. Irgendwie erwarte ich von einem Einsteigerspiel auch immer, dass es nur der erste Schritt ist und ich relativ bald neue Regeln brauche, um die vollen Möglichkeiten zu haben. Ist das denn hier auch so? Dann auch dann stelle ich mir wieder die Frage, warum ich nicht einfach ein komplettes Regelwerk eines anderen Systemes kaufe, die man doch oft in der selben Dicke antrifft…

  4. Mondbuchstaben schreibt:

    168 Seiten klingt nach mehr als es ist. Swords & Wizardry Core 2nd Edition hatte 118 Seiten, im Format vergleichbar DIN A4.
    Dungeonslayers ist aber ein Buch im A5-Format; wenn ich da die Seitenzahl halbiere, komme ich auf etwa 84 S&W-Seiten.
    (Ich habe hier auf meinem Rechner eine WhiteBox 3rd Edition im kleineren US-Digest-Format; das PDF hat 122 Seiten.)

    Das Dungeonslayers-Buch allein ist inhaltlich vergleichbar mit MERS oder Midgard – DFR. Das waren „medium-crunchige“ Systeme, die nicht mit Einsteigern im Sinn geschrieben worden waren, aber nichtsdestotrotz für so manche die ersten Rollenspiele waren. In beiden Fällen war es nicht bloß der erste Schritt, sondern das volle Paket, und man brauchte nicht bald neue Regeln. Dungeonslayers ist auch so komplett und rund.

    Was die Dungeonslayers-Box zum Einsteiger-Produkt macht, ist das separate Tutorial-Booklet, das die grundsätzlichen Erklärungen, was RPG eigentlich ist, nachholt.

    Aber sonst stimme ich dir zu, S&W – sowohl Whitebox als auch Core – machen sich auch prima als Einsteigerrollenspiele, und sie haben auch das „volle Paket“-Langzeitpotenzial. Bei S&W würde ich wohl noch lieber das Quickstart-Booklet von Michael „Chgowiz“ Shorten empfehlen, das ist noch einfacher – erfüllt aber den Tatbestand der „Crippleware“, da man spätestens beim Aufstieg auf Level 2 auf das Vollsystem umsatteln muss.

  5. Bastian schreibt:

    Danke für deine Erklärung!
    Da steh ich doch jetzt zurecht wie ein Depp da. ;-) Ich habe nur das dicke Buch auf dem Bild gesehen und mir gedacht, dass kann doch nicht deren ernst sein. Der Hinweis, dass das Ganze aber nur A5 ist, rückt das doch in ein ganz anderes Licht.
    Und auch, dass man hier ein komplettes Spiel bekommt und nicht nur einen Teil, wie es ja so oft der Fall ist, heutzutage, macht das Spiel für mich definitiv zu einer interessanten Sache.
    Da gehen mir doch jetzt die Ausreden aus, das nicht zu kaufen. ;-)

    Ich hatte übrigens mit Absicht die Whitebox erwähnt. Zumindest meine selbst gedruckte Version kommt auf 68 Seiten (Ohne OGL) in A5, und das finde ich ein wirklich schönes Format. Ich sehe das immer als Problem, dass man auf der einen Seite als Spieler möglichst viel haben will, auf der anderen aber möglichst wenig lesen, denn die Zeit ist ja immer knapp und Settings und Regeln gibt es ja heutzutage wie Sand am Meer. Ich denke, deshalb habe ich mittlerweile eine Vorliebe für dünne Bücher und kann mich für Spiele die 600+ Seiten an Regeln benötigen, dabei aber nicht mehr Detail liefern als vergleichbare Games auf ~100 Seiten nur noch schwer erwärmen.
    Aber genug des Geredes, lieber mal nachschauen, ob mein heimischer Rollenspielladen Dungeonslayers im Regal hat…

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