Rathurbosk, die Brückenstadt

Na super. Da dachte ich, ich hätte den Rettungswurf gegen die A-to-Z-Challenge erfolgreich geschafft, da entdecke ich, dass Dyson Logos in diesem Monat den RPG Blog Carnival hostet, mit dem Thema Rollenspiel-Kartographie.
Da kann ich natürlich nicht anders…

Dragon Warriors ist ein Fantasy-Rollenspiel, das 1986 von dem Taschenbuchverlag Corgi Books in England veröffentlicht wurde. The Lands of Legend (das sechste und abschließende Buch der Serie) beschrieb ein Setting, das voll von jenem typisch britischen Flair war, für das ich ja bekanntlich schwärme.

Als Paradebeispiel für dieses Flair mag die Stadt Rathurbosk dienen, die in der Weltbeschreibung auf zwei knappen (Taschenbuch-)Seiten vorgestellt wurde. Da es den Büchern an Detailkarten mangelte (von Stadtplänen ganz zu schweigen), waren Dragon Warriors-Spieler darauf angewiesen, ihr eigenes Kartenmaterial anzufertigen.
So auch ich.

Rathurbosk

Die Welt der Legende ahmt (wie es später auch WHFRP tun sollte) ein pseudomittelalterliches Europa nach. Die Landmassen von „Mitteleuropa“ (Algandy, Ferromaine, Kurland, das Neuselenitische Reich) und „Skandinavien“ (Krarth) sind durch einen nur wenige Meilen breiten Spalt getrennt. Am Boden des Spaltes herrscht ein immerwährendes Tosen von Wasser und Gischt. Ein Überqueren ist lediglich an der engsten Stelle des Spaltes möglich, einer mächtigen steinernen Brücke namens Rathurbosk.

Krarth ist ein trostloses, graues Land, das von den degenerierten Nachfahren einst stolzer (und dämonischer) Zauberkönige regiert wird. Rathurbosk ist – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn – eine Brückenstadt: die einzige Möglichkeit, nach Krarth zu gelangen. Jeder Handel zwischen Krarth und dem Süden läuft durch Rathurbosk.

Dabei ist Rathurbosk selbst kein Teil von Krarth. Die Bewohner sind stolz auf ihre Autonomie, auch wenn jahrhundertelange Isolation und Inzucht auch unter ihnen zu einer Ausbildung zumindest wunderlicher Charakterzüge geführt hat.

Erste Impressionen

Wahnwitzige Konstruktion – schlanke, teilweise windschiefe Türmchen – salzige Luft – Meeresrauschen – Fachwerkhäuser, die sich gegenseitig anlehnen und stützen – Möwenschwärme – Fenster im Stein unterhalb des Straßen-Niveaus – Leitern und Treppen an den Seiten der Brücke – feiner Dunst aus den Tiefen der Klippen

Rathurbosk ist uralt. Die Brücke ist aus massivem Stein und es ist nicht klar, welche Laune der Natur sie hätte natürlich entstehen lassen sollen. (Natürlich ist sie das Werk der Magier von Krarth.) Sie wölbt sich 600 m lang über den an dieser Stelle engsten Punkt der Schlucht. Der Meeresspiegel liegt etwa 300 m unterhalb der Stadt. Die Brücke selbst ist 60 m stark und zwischen 40 und 50 m breit.

Am Südtor

Die Stadt benötigt wegen ihrer extravaganten Architektur nur eine kleine Stadtmauer. Den Mauern vorgelagert ist eine wilde Ansammlung von Hütten und Verschlägen, Menschen, die aus den verschiedensten Gründen von dem Handel und Wandel der Stadt profitieren möchten. Reisende, die nach Einbruch der Dunkelheit die Stadt erreichen, werden einem schäbigen Gasthaus oder Stall der Vorstadt unterkommen müssen, denn während der Nacht sind die Tore verschlossen.

Das Straßenbild

Rathurbosk besteht aus einer einzigen langgezogenen Straße, die genau in der Mitte der Brücke verläuft und zwischen 4 und 5 m breit ist. Die Straße ist aus Stein; nahe der Stadttore ist sie gestuft, um die Wölbung der Brücke schneller zu erklimmen. Dies macht es unmöglich, die Stadt mit einem Karren zu durchqueren.
Das Alter der Stadt ist offensichtlich.
Links und rechts gehen Seitengassen ab, die jedoch bereits nach wenigen Metern enden, entweder an einer Haustür oder am jähen Abgrund. Gelegentlich führen Holzplanken an der Außenseite entlang – mal mit, mal ohne Geländer.
Kinder schießen mit Zwillen auf Möwen.

Das erste Haus am Platz: Flynt Ridd

Auf dem Scheitelpunkt der Brücke steht das einzige Wirtshaus der Stadt, die Taverne Flynt Ridd. Es ist ein beeindruckendes Gebäude: Wer es betritt, steht in einem hohen Raum, fünf Stockwerke hoch, der an beiden Längsseiten Balkone hat, die nach innen gewandt sind und einen Blick ins Erdgeschoss erlauben. Mit diesen Logen mutet das Gebäude mehr wie eine Oper an als ein Gasthaus.
Das ganze Erdgeschoss ist eine Küche. Auf zwei großen Feuerstellen werden Spießbraten zubereitet. Der Rauch zieht nach oben und sammelt sich im Giebel, bevor er durch Luken abzieht. Es riecht schwer nach Bratfett, Fisch und Tabak.
Die obersten Balkone haben Glasfenster und Vorhänge, die darunter nur Vorhänge. Flaschenzüge und Körbe gestatten die Bedienung ohne lästiges Treppensteigen.

Für Charaktere, die es aus der Fremde nach Rathurbosk verschlägt, wird dieses Haus die erste Anlaufstelle werden.

Neben der hier vorgestellten Version von Rathurbosk existiert im Dragon Warriors Wiki noch eine ältere Fan-Ausarbeitung (in englischer Sprache, dafür mit ausführlicher Historie und vielen NSCs mit Spielwerten).
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17 Antworten zu Rathurbosk, die Brückenstadt

  1. Savage schreibt:

    Ganz spannender Schauplatz der ausreicht um einige Abenteuer dort zu erleben. Gern mehr davon :-)

  2. Mondbuchstaben schreibt:

    Na ja, der Schauplatz selbst stammt ja gar nicht von mir. Ich habe bloß die Karte geliefert…

  3. Dyson Logos schreibt:

    I wish my German was better, I’m forced to read this via Google Translate.

    The map is AWESOME and the city really works to promote that feel of a high fantasy game setting.

  4. Mondbuchstaben schreibt:

    Dyson, I am a big fan of your blog! I just tried Google Translate myself to see what you have to go through, and man, if you can make sense of that gibberish you are really good.

    But since the text is just an extrapolation/rewording of the basic facts from the Dragon Warriors book (to get the general feel of the city’s situation) there is no original content you missed. I just created a map according to the description.

    And I used this city in one way or another in nearly all of my campaigns. (It’s also a great location for convention one-shots.)

  5. Rána schreibt:

    Die waghalsige Architektur erinnert mich an die Stadt „Laelith“ aus dem „Casus Belli“. Gut, ist jetzt nicht selbst gemalt, und geht somit ein bisschen am Thema vorbei, aber hast du dir die Karte mal angeguckt? (Wahrscheinlich hat sich da auch wer vom selben Buch inspirieren lassen.)

  6. Mondbuchstaben schreibt:

    Laelith habe ich mir natürlich angesehen, aber ehrlich gesagt kann sie mich nicht inspirieren, weil sie mir für eine Fantasy-Stadt viel zu groß und unübersichtlich ist.

    Eine Miniaturversion davon, die sich auf eine ähnliche Weise die Landschaftsform anpasst (der ansteigende Hügel, die Klippe, der Spalt mit den Brücken, der See…), kann ich mir schon vorstellen.

    Hm, vielleicht kann sie mich doch inspirieren…

  7. Pingback: A Month Of Awesome Maps – RPG Cartography Carnival « A character for every game

  8. Pingback: Old School Geschichten | Karwan Baschi | Paules Blog

  9. Marcus schreibt:

    Ich hab‘ den Beitrag damals total übersehen. Die Karte sieht super aus und die Stadt kommt als Idee in meinen Ordner. Danke! :)

    Gruß, Marcus

  10. chockyschild schreibt:

    Hallo, Mondbuchstaben,
    Sorry für mein schlechtes Deutsch, und wird auch meine Botschaft in englischer Sprache, wie ich Ihr Englisch ist besser als mein Deutsch (Englisch, wie Sie Blogs zu lesen und Ihre antwort auf Dyson). Ich bin der autor des viel von dem material auf der Rathurbosk, die auf dem Wiki link gab ist. Ich freue mich über diese informationen zu aktualisieren und zu erweitern, und ich habe über Ihre karte, die weit besser als die karte ich selbst getan haben in Stil und Größe und Detail ist gekommen. Ich würde gerne wissen, ob du mit mir mit Ihrer Karte als Vorbild für mein aktualisiert Rathurbosk widersprechen würde – würde ich nicht verwenden Ihre Karte genau, aber es wird einen großen Einfluss aus Ihrer Karte haben. Ich bin einer der Menschen, die für die neue Edition von Dragon Warriors (einer der Autoren von „Friends or Foes“) geschrieben hat, aber das ist völlig inoffizielle – ich will einfach nur meine Rathurbosk Material für das Web zu aktualisieren und Ihre Karte ist so viel besser als mir – ich glaube, ich verbessern kann, was ich über die Brückenstadt geschrieben, aber ich kann nicht auf meiner Karte zu verbessern, ohne mit Ihnen als Model. Natürlich würde ich Ihnen Status unter einem beliebigen Namen Sie wollen.

    Shaun Hately

    (Hello Mondbuchstaben,
    I apologise for my poor German, and am including my message in English as I suspect your English is better than my German (as you read English blogs and your reply to Dyson). I am the author of much of the material on the Rathurbosk that is on the Wiki link you gave and elsewhere. I am about to update that information for a new Dragon Warriors webpage and expand it and I’ve come across your map which is far better than the map I have done myself in style, size and detail. I would like to know if you would object to me using your map as a model for my updated Rathurbosk – I would not use your map exactly, but it will have a lot of influence from your map. I am one of the people who has written for the new edition of Dragon Warriors (one of the authors of ‚Friends or Foes‘) but this is totally unofficial – I just want to update my Rathurbosk material for the web and your map is so much better than mine – I think I can improve what I have written about the Bridge City, but I cannot improve on my map without using yours as a model. Naturally I would give you credit under any name you want.

    Shaun Hately)

  11. Mondbuchstaben schreibt:

    Hi Shaun,

    I am humbled!
    Of course you may use the map, either as-is or as inspiration for your own one.

    It already saw publication in the fanzine Abenteuer●, the German answer to Fight On! magazine.

    I am looking forward to your new Dragon Warriors webpage. Please come back here and post the link!

    Dirk

  12. chockyschild schreibt:

    Thank you, Dirk for your kind permission.

    I will post a link to the webpage when it goes up, but for now, I thought you might like to see the map I have done based on your map, that I will be using as the basis for my new description of the Rathurbosk.

  13. Mondbuchstaben schreibt:

    Great!

    Two things crossed my mind:

    I forgot to include steps. In the description in DW book six are mentioned steps that climb the arch of the bridge.

    And when I compared my b/w drawing with yours I noticed that my map would also work as a city that runs the length of a mountain pass.or gully.

  14. chockyschild schreibt:

    https://mondbuchstaben.wordpress.com/2011/04/20/rathurbosk-die-bruckenstadt/ – my treatment of the Rathurbosk with the map based on your map is now online.

  15. chockyschild schreibt:

    http://www.libraryofhiabuor.net/rathurboskintro.html – it would help if I gave you my URL, rather than repeating your own!

  16. Mondbuchstaben schreibt:

    Thank you! Looks great in color.

    I really like location 42.
    You couldn’t know that (Spoiler follows) this building was the secret hideout/lair of the dream witch (or rather, dream vampire) that was the big evil behind every adventure that I GMed in Rathurbosk, could you?

  17. chockyschild schreibt:

    I shall have to be very careful next time I go to buy a map in that case!

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