Rollenspiel auf der AniMaCo

Nach der AnimagiC und der Connichi war ich mal wieder (berufsbedingt) auf einer Anime-Convention. Diesmal musste ich nicht weit reisen, denn die AniMaCo fand in Berlin statt.

Berlin hat eine einzigartige Position, was Anime-Cons angeht. Überall sonst gibt es einen aktiven Verein, der jahrein, jahraus den Hauscon der jeweiligen Stadt organisiert. Aus der Rollenspielszene kennen wir das auch: Ratcon, H spielt!, Nordcon, usw.
In Berlin gibt es aber zwei Vereine bzw. Orga-Teams, die sich abgesprochen haben, im jährlichen Wechsel ihre Conventions in der gleichen Location abzuhalten.
Das wäre ungefähr so, als ob in den Neunzigern H spielt! und EARTH abwechselnd in der Unimensa ausgerichtet worden wären. Oder, um in Berlin zu bleiben, als ob Uniplay und Nexus im Wechsel einen Burg-Con organisierten.

Richtig: illusorisch.

In der Anime-Szene klappt sowas, und deshalb finden Ende Oktober/Anfang November im Fontanehaus in Berlin-Reinickendorf abwechselnd die AniMaCo (kurz für „Anime-Manga-Convention“) und die MMC („Mega Manga Convention“) statt.

Das Fontanehaus gelangte in diesem Jahr erstmals an seine Grenzen. Am Samstag musste der Eintrittskartenverkauf gestoppt werden, weil das Haus sein Fassungsvermögen erreicht hat. Solche Probleme möchte man als Rollenspieler haben… Die AniMaCo hatte über alle drei Tage geschätzte 3700 Besucher.

Programmmäßig bot die AniMaCo alle Standards – Filmräume mit Premieren, Go-Ecke, Händlerräume, Cosplay-Wettbewerbe, Dance-Dance-Revolution und Computerspiele, usw. Ungewöhnlich waren Angebote wie Sumo-Ringen und eine Chill-Out-Ecke mit Masseusen; das habe ich auf noch keinem Anime-Con gesehen.

Ebenfalls ungewöhnlich und ein organisatorisches Plus waren die Umkleidebereiche für die Cosplayer. Jenseits dieser Garderobe und Umkleide lag der Rollenspielbereich, und dieser unglücklichen Platzierung im Untergeschoss war es wohl zu verdanken, dass es dort eher leer war. Schade eigentlich, denn der Bereich war die am besten ausgestattete Rollenspielecke, die ich auf einer Anime-Convention gesehen habe. Der Bereich wurde von dem Anime-Verein animenmore organisiert; eine Gruppierung, deren Engagement im Pen-and-Paper-Rollenspiel mir bislang unbekannt war. An Spielrunden habe ich Vampire und Shadowrun gesehen, sowie Brett- und Kartenspiele (Die Geistertreppe von Zoch und das Confrontation/Cadwallon-Kartenspiel Arcana).

Im Obergeschoss stellte der schon erwähnte Rollenspielverein Uniplay einen zweiten Spielbereich, der sich dem Tabletop widmete. Wegen der besseren Lage (direkt gegenüber den Masseusen und dem Verlagsstand der Fireangels, die homoerotische Mangas veröffentlichen) und wegen des auffälligen Spielmaterials war die Ecke ständig umlagert. Hier wurde das Anima-Tabletop gespielt.

Darüber hinaus glaube ich nicht, dass hier unser Hobby verbreitet wurde. Wer sich im Keller zu den Rollenspielen begab, tat dies wohl mit Absicht, weil er in dem Programmheft davon gelesen hatte. Zufällig verirrte sich niemand dorthin, und als Streuner wurde man auch nicht auf eventuelles Interesse angesprochen und in ein Spiel hineingezogen.

Ich werde mir im nächsten Jahr die MMC ganz besonders unter diesem Blickwinkel ansehen, um herauszufinden, welche Orga die bessere Rollenspielförderung betreibt.

Eine Sache hat die AniMaCo hervorragend gemacht: Das Wegeleitsystem war vorbildlich und wies schon von der Kasse an zu den Attraktionen der Veranstaltung. Das können sich Rollenspielcons, die in ähnlich verwinkelten Häusern abgehalten werden, ruhig abgucken.

Und offensichtlich hatten sie Spaß dabei…

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6 Antworten zu Rollenspiel auf der AniMaCo

  1. Maniac schreibt:

    Als Veranstalter von Rollenspielcons kann man nur neidisch auf die tolle Anime-Szene sein (wir haben ja selbst schon entsprechende Erfahrung auf dem hannoverschen NiCon gemacht). Wirklich respektabel, wie sich die Leute dort verhalten, wie die Szene arbeitet, was dort angeboten wird, wie sich die betroffenen Geschäftsleute engagieren. Kein Vergleich zur RPG-Szene mit notorisch nörgelnden Besuchern (über Preise, über Verpflegung, über Innovationsversuche, über das Angebote über über über), zerstrittenen Fans (Dein „illusorisch“ lässt ja zurecht tief blicken) und inhaltlich sowie emotional kaum beteiligten Firmenvertretern (Pegasus hier mal ausdrücklich ausgenommen). Schade, schade…

    Wegeleitsystem: Super Idee. Wird definitiv geklaut!

  2. Mondbuchstaben schreibt:

    Die Verpflegung auf Anime-Cons ist „hit or miss“, wie auch in der RPG-Szene.

    Auf der AnimagiC in Bonn gibt es draußen auf der Freifläche vor der Halle (eine riesige Wiese, auf der sich gefühlte 1000 Cosplayer in der Sommersonne tummeln, posieren und knipsen lassen – die meisten davon Leute, die keinen Eintritt zahlen und an dem Angebot in den Hallen gar nicht interessiert sind, die kommen nur zum sehen und gesehen werden und müssten eigentlich noch auf die Besucherzahl draufgerechnet werden…!) einige Imbissbuden: ein Italiener mit Pizza und Nudeln, ein Kaffee-und-Crêpes-Stand, ein Wurst-und-Pommes-Stand und ein japanischer Imbiss mit Sushi und Teigtaschen usw.

    Auf der Connichi in Kassel gibt es nur die Küche des an die Stadthalle angeschlossenen Ramada Hotels, messetypische Brezeln, Bockwurst, Salat und Brötchen und im Restaurant Gulasch-Nudeln.

    Auf der AniMaCo gab es Stände von Nissin (die japanische Variante der 5-Minuten-Terrine), wo man ein Schüsselchen gebratene Nudeln für 50 Cent bekam, einen Crêpes-Stand, einen Würstchen-Stand in der schuleigenen Mensa-Ausgabestelle und den wie immer gelungenen Stand mit japanischen Speisen, der von japanischen Hausfrauen betrieben wird und auf allen japanoiden Veranstaltungen in Berlin zu finden ist – Sushi, gefüllte Teigtaschen (2 EUR), Curry-Reis (3 EUR), Geflügel-Spieße (1 EUR), japanische Kuchen (Nuss, gefüllt mit süßem Schwarzbohnenmus, Honig, diesmal leider kein Grünteekuchen, Stück 1 EUR)… auch hier hatte die AniMaCo die Nase vorn, obwohl dies zugegebenermaßen keine Orga-eigene Leistung war.

    Zum Thema Meckern:

    Habe ich schon erwähnt, wie teuer Anime-Cons sind? Das Dreitagesticket der AniMaCo kostete an der Kasse 39 EUR! (Es gibt zeitlich gestaffelte Preise; wenn man ein halbes Jahr vorher kauft, kostet es „nur“ 25 EUR.)

  3. Stefan schreibt:

    Welcher Verein hat die Ratcon ausgetragen? So lange ich sie besucht habe, war da Fanpro oder Ulisses als Veranstalter am Start.

  4. Mondbuchstaben schreibt:

    War da nicht früher mal die GFR involviert?
    (Ich war noch nie auf dem Ratcon.)

    Ach nein, ich glaube, der Ratcon ist zusammen mit dem Feencon als Abspaltung aus dem Phancon (Fancon?) hervorgegangen, als Fanpro und die GFR ihre Kooperation beendeten.

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