[Off Topic] Bakuman.

Nach Lust und Laune werde ich in den Mondbuchstaben auch über den Tellerrand schauen und Vorgänge aus anderen Hobby-Bereichen kommentieren. Damit diese Beiträge nicht auf RSP-Blogs.de erscheinen, werden sie mit dem „Offtopic“-Tag versehen.

Bakuman. (mit Punkt, der gehört zum Titel) ist eine relativ neue Manga-Serie, die auf Deutsch bei Tokyopop erscheint. Sie erzählt die Geschichte der Schüler Moritaka und Akito, die gemeinsam den Traum verfolgen, Manga-ka zu werden (Manga- oder Comiczeichner). Nach der Teilnahme an einem Wettbewerb bekommen sie die Veröffentlichung ihrer Science Fiction-Kurzgeschichte „Macht = Geld und Intelligenz“ im renommierten (real existierenden) Wochenmagazin Shonen Jump. Angestachelt durch den Erfolg nehmen sie ihre erste Serie in Angriff, den Mystery-Krimi „Magical Detective TRAP“ (der inhaltlich eine Mischung aus Fantomas und Detektiv Conan zu sein scheint).

Mit den erzählerischen Mitteln eines „Battle Manga“ (das jungenorientierte Genre, dessen Aushängeschilder Serien wie Dragon Ball, Air Gear, Bleach und Naruto sind) wird der „Kampf“ der beiden Helden gegen das Verlagssystem, konkurrierende Zeichner, Leserabstimmungen und ihren Chefredakteur dargestellt. Das ist gar nicht so ungewöhnlich wie es klingt – „Battle Manga“ ist eine erzählerische Formel, es muss keineswegs um physische Auseinandersetzungen gehen. Zu den Battle Manga gehören auch Kickers, Prince of Tennis und Hikaru no Go (eine Serie, in der es um das traditionelle Brettspiel Go geht) oder Yakitate!! Japan (in der ein Bäckerlehrling das urjapanische Brotrezept sucht – ohne Witz!).

Bakuman. wendet sich in erster Linie an Otakus, wie schon Genshiken (Heyne Manga) oder Comic Party (Tokyopop) vor ihr. Es werden Themen behandelt, die den Fans am Herzen liegen und deren Feinheiten man als Gelegenheitsleser kaum erkennt. Während Genshiken ein echtes Otaku-Vergnügen ist, voller Anspielungen und geheimer Händedrücke (vergleichbar Knights of the Dinner Table oder Order of the Stick), ist Bakuman. deutlich allgemeiner und zugänglicher (vergleichbar Dork Tower) – auch deshalb, weil Bakuman. eine erklärende und aufklärende Funktion hat. Denn zusammen mit den noch jungen, unbedarften Schülern werden wir Leser in die Funktionsweise eines großen Mangaverlages eingeführt.

Man muss deutlich weniger Manga-Vorkenntnisse mitbringen, denn fast alle Serien, die im Lauf der Handlung genannt oder zitiert werden, sind erfundene Titel, die nicht einmal den Hauch einer Anspielung haben. In den (unfasslich detaillierten!) Hintergründen sieht man manchmal ein Cover oder ein Poster einer realen Shonen Jump-Figur, so etwa Naruto oder Goku, was mich angesichts der komplexen Copyright- und Genehmigungspraxis japanischer Verlage und Künstler ehrlich verwundert. Aber die Ausschnitte und Schnipsel der Serien, die die Helden und ihre Konkurrenten zeichnen, sind neu erfunden und in markant unterschiedlichen Zeichenstilen dargestellt. Zeichner Takeshi Obata hat für viele der Neuschöpfungen Beispielpanels, Cover, Anzeigen und ansprechende Titellogos ersonnen. Und ganz ehrlich, ich würde einige der Serien gerne „in echt“ lesen; gerade „Magical Detective TRAP“, dessen Character Design mir gut gefällt, die Alice-im-Wunderland-artige Fantasy-Story „hideout door“, und „CROW“ – und sei es nur, um zu sehen, worum es in dieser Serie des erfundenen, durchgeknallten Manga-Wunderkindes Eiji eigentlich geht…! Überhaupt, auch die Titel der anderen erfundenen Serien sind ein Brüller: „Seeotter Nr. 11″, Business Boy Kenichi“, Strawberry Short“, „Lärmschutz THUNDER“… Umso mehr, da japanische Comictitel ja wirklich so bizarre, wie zufällig wirkende Wortaneinanderreihungen sind … „Neon Genesis Evangelion“???

Hinter Bakuman. steht niemand geringeres als das Duo Takeshi Obata (Zeichnung) und Tsugumi Ohba (Szenario), das mit Death Note (ebenfalls Tokyopop) eine der erfolgreichsten und kultigsten Manga-Reihen der letzten Jahre vorgelegt hat. Die Beliebtheit von Death Note innerhalb der Mangaszene ist in etwa vergleichbar mit Neil Gaimans Sandman bei den „normalen“ Comiclesern. Nach einem Anime-Ableger und zwei Realverfilmungen zeigt nun auch Hollywood Interesse an dem Stoff.

Man kann annehmen, dass die beiden Künstler in Bakuman. ihre eigenen Erfahrungen verarbeitet haben, natürlich angemessen dramatisiert und mit spannenden Verwicklungen (sowie einer süßlichen Liebesgeschichte) angereichert. Man kann auch annehmen, dass der Verlag Shueisha, der hinter dem Magazin Shonen Jump steht, die Verlagsinterna PR- und publikumswirksam verfremdet hat. Nichtsdestoweniger ist es interessant zu sehen, wie die grundlegenden Mechanismen des Mangamarktes funktionieren, von der Teamarbeit über Assistenten bis zu Umfragen und den allgegenwärtigen, grausamen Leserquoten. Die Lehre, die man als Konsument von Massenmedien ziehen kann, ist die traurige Erkenntnis, dass es keine Rolle spielt, wie viel Herzblut oder Hingabe oder Recherche oder Qualität in ein Werk einfließen, wenn die Gesamtzahl der Konsumenten „nicht stimmt“ – das galt für die deutsche DVD-Ausgabe von Inu Yasha genauso wie für Firefly, die Welt der Dunkelheit oder das deutsche D&D4. Und ohne spoilen zu wollen: das müssen auch Moritaka und Akito feststellen.
Bei Bakuman. stimmt bislang alles – Herzblut und grafische/erzählerische Qualität. Und die Konsumenten wohl auch.

Gut, dass die Verkaufszahlen von DSA wieder nach oben weisen.

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„Lärmschutz THUNDER“… ich komme gar nicht drüber weg…
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