Mellon!

Mit diesem Gruß begann stets das Geleitwort – die Seite 2 jeder Ausgabe der Mondbuchstaben. Lange ist es her.

Die Mondbuchstaben gab es von 1999 bis 2004. Sie waren ein kostenloses Mitteilungsblatt, das im Dienste verschiedener Rollenspielläden erschien: Der Spieleladen in Hannover, Die Spieleburg in Lübeck (wo sie ein Ableger unter dem Titel Der Herold waren) und Beutelsend in Berlin. In dieser Zeit brachten es die Mondbuchstaben auf 14 ½ Ausgaben.
Das Format war eine Hommage an die altmodischen Fanzines: DIN A5, die einzelnen Seiten im Kevin-Siembieda-Stil mit Schere und Offsetklebeband layoutet und im Kopierdruck vervielfältigt.

Auf zumeist 24 Seiten enthielten die Mondbuchstaben Nachrichten und Gerüchte aus der Branche, Rezensionen, Kurzabenteuer und die eine oder andere Glosse. Sie waren weniger ein allgemeines Rollenspielmagazin als vielmehr ein Kommentar und Spiegel der Vorgänge, die sich in den Läden abspielten, gezielt an die Interessen und Befindlichkeiten der Kunden des jeweiligen Ladens adressiert. Themen, die damals in dem Dreieck zwischen den Carrom-Brettern, den Battletech-Miniaturen und den Kahuna-Türmen „in der Luft lagen“ (ob der Streit um Episode 1, die Schwärme der Pokémon-Kiddies, Diskwars und Drakon als Lieblingsspiele der Ladencommunity, der Sieg der „stampfenden und schreienden LARP-Xenas beim Eurovision Song Contest“…), wurden ebenso behandelt wie anstehende Renovierungen, Turniere, Spieltermine und die alljährlichen Vorbereitungen der lokalen Convention.

Irgendwann schloss Beutelsend, dieses Urgestein der Berliner Spieleladenlandschaft, für immer seine Pforten; und ohne einen Laden im Hintergrund, der ein Interesse an dieser Art der Kundenbindung hatte, hatten auch die Mondbuchstaben ihre Schuldigkeit getan.

Ich blieb der Unterhaltungsindustrie treu, wenn auch einem anderen Segment: der Welt der (knall)bunten japanischen Animation. (Die Pokémon-Kiddies waren somit fast ein Omen gewesen…) Heute widme ich mich dem Marketing für Anime-DVDs, japanische Popmusik, und Kinofilme.

Mehr als 10 Jahre hinter einem Ladentresen haben jedoch ihre Spuren hinterlassen. Ich habe immer wieder versucht, Synergien zwischen der Anime-(und Film-)Szene und der Rollenspiel-Szene aufzuspüren und auszunutzen. So habe ich Microlite 20 übersetzt, mit Artwork des Fantasy-Animes Brave Story versehen und kostenlos auf Anime- und RPG-Conventions verteilen lassen (sozusagen als Brückenschlag zwischen den Hobbys); und durch eine glückliche Fügung des Schicksals durfte ich die Lokalisation der isländischen Rollenspiel-Komödie Astrópía betreuen.

Aber seit einiger Zeit schleichen sich die Mondbuchstaben immer mal wieder in meine Gedanken.
Wie würden sie wohl in einem zeitgemäßen Gewand aussehen…?

Finden wir es heraus.
Willkommen zu Mondbuchstaben 2.0.

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5 Antworten zu Mellon!

  1. CK schreibt:

    Hatte neulich beim Aufräumen erst die Ausgabe 14 in den Händen – ein für damalige Verhältnisse wirklich schönes Magazin, und vor allem: Sehr informativ.

  2. Alex Schroeder schreibt:

    Hehe, Blog über Flame Princess Rezension gefunden. Wie cool ist das. :)

  3. Dirk schreibt:

    Ich bin ja noch ganz neu in diesem Internetz…

  4. Athair schreibt:

    … ob es wohl möglich wäre eine Ausgabe der Mondbuchstaben 1.0 zu bekommen?
    Gerne auch als PDF.

  5. Mondbuchstaben schreibt:

    Die alten Mondbuchstaben gibt es nicht mehr. Ich habe noch meine Einzelexemplare, die ich sorgfältig hüte.

    Darüber hinaus ist der Inhalt wegen seiner Bindung an die jeweilige (längst nicht mehr existente) Ladenkultur auch nicht wirklich wichtig oder interessant – Gewinnspiele, Spielrundenankündigungen, Leserbefragungen… (Die obige Geleitwort-Einleitung „Ich bin von Mais umgeben…“ bezieht sich z.B. auf den Namen des Farbtons, in dem das Ladenlokal von Beutelsend damals neu gestrichen wurde.)

    Das, was es an zeitlosen Texten gab, werde ich peu à peu online stellen.

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