Traits vermeiden Dumpstats

Teil 3 meiner Gedanken zum Thema Dumpstat.

Es gibt zwei Arten, Dumpstats zu vermeiden. Die erste ist die, jedem Attribut eine spielentscheidende Bedeutung mitzugeben. Wenn Charisma darüber mitentscheidet, wie das Klima bei Begegnungen ausfällt oder ob sich ein Charakter aus einer Situation herausreden kann, mag ein Spieler es absichtlich immer noch vernachlässigen, aber es hat eine Auswirkung auf das Schicksal des Charakters.

Die zweite Möglichkeit sind Traits.

Trait-basierte Rollenspiele sind z.B. Over the Edge oder RISUS. Hier wird ein Charakter nicht aus für alle Charaktere identischen Attributen gebildet, sondern aus blumigen Beschreibungen, die für Berufsfelder oder typische Handlungsweisen (oder auch nur markige Zitate) stehen. Ein Merkmal dieser Spiele ist es, dass ein Charakter i.d.R. aus einer sehr überschaubaren Zahl an Traits besteht. Bei OTE sind es drei, bei RISUS vier.

Da muss man sich schon sehr überlegen, welchen Eigenschaften man Spielwerte zuweist.

Das einzige Trait-System, mit dem ich Erfahrung habe, ist Reimer Behrends leider verschollenes Universalsystem Inter Alia (umbenannt in THEMA in der zweiten Version). Reimer, ein d.r.s.r.m.- und r.g.f.a.-Urgestein, hat hier das OTE-artige “jeder Charakter besteht aus drei Eigenschaften” mit einem w6-minus-w6-System kombiniert. Inter Alia (“An Adaptable Roleplaying Engine for Dramatic Play”) mutet heute an wie ein Proto-FATE (allerdings ohne den FATE-”Ballast”, die ganzen “compels” und “aspects”), was nicht verwundert, gehen beide doch auf die gleiche Inspiration zurück: FUDGE.

Ein Inter Alia/THEMA-Charakter sieht so aus (aus dem Regeltext kopiert):

Calandra Valieri. Calandra is the oldest daughter of a patrician family in Renaissance Venice.
Talent: Magic.
White Witch [5]. Initially taught by her aunt Giuliana, Calandra keeps her knowledge of magic a secret. Not only would the inquisition wish to learn more, her own catholic upbringing makes her wonder sometimes whether what she does is really good, or if magic is inherently tainted by evil.
Patrician Family [4]. Even in a patriarchic society such as Renaissance Venice, a noblewoman is still not without influence. Calandra has friends and relatives, allowing her to pull quite a few strings or call in favors.
Artist [3]. An admirer of Leonardo da Vinci, Calandra has taken up oil painting herself. Initially more a pastime, she has developed a fair amount of skill with the brush.
Devout Catholic. Calandra was raised a faithful follower of the Roman Catholic Church, and there is no doubt in her mind that this is the only true faith, unlike the followers of this Martin Luther, or – heaven forfend – the heathen moors.
Attractive. Extremely unusual for an Italian woman, Calandra has blond hair, even though neither of her parents are blond.
Telltales: Holds on to her rosary when nervous; sometimes has paint on her fingers; confident posture.

In einem Trait-System muss man sich auf die guten Eigenschaften konzentrieren und hat gar keine Gelegenheit, schlechte zu ignorieren.

About these ads
Dieser Beitrag wurde unter Rollenspielphilosophie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s