Die Welt des Wolfes

Meine längste fortlaufende Rollenspielkampagne habe ich mit Midgard gespielt, in einer Welt der eigenen Kreation. Anders als bei einigen vorher gezeigten Karten (z.B. den Greyhawk-Realms) habe ich die Welt nicht zu Beginn der Kampagne kartiert, sondern erst im Lauf der Jahre wachsen lassen. Ich hatte eine grobe Übersichtsskizze, die die Welt jenseits der farbigen Karten zeigte, aber die Details arbeitete ich erst aus, wenn die Charaktere sich tatsächlich in jene Richtung bewegten.
Nach vier Jahren sah die Welt so aus:


Im fünften Jahr kamen drei Segmente oben rechts dazu, und die Karte unten rechts musste wegen eines gravierenden Eingriffs in die Geschichte (Zeitreise…) neu gezeichnet werden. Außerdem gab es noch zwei oder drei Städte/Siedlungen mehr.

Hier beispielhaft eine Land- und eine Stadtkarte:

Das besondere an dem Kartenstil ist, dass er wirklich meiner ist, d.h. ich habe nicht die kartografischen Künste anderer Zeichner nachgeahmt.

Anders bei dem Stadtplan, der mir sehr von Hârn beeinflusst scheint…

Dreh- und Angelpunkt der Kampagne war der Grimwald, ein ehemaliger Elfenwald, der von seinem Volk verlassen worden war und zum Zeitpunkt der Kampagne langsam, langsam wieder erwachte. Der Wald stellte bis dahin eine natürlich Grenze dar, mehr zwischen Ost und West als zwischen Nord und Süd, und die Spielercharaktere gehörten wohl zu den ersten Leuten, die den Wald mehr oder weniger regelmäßig durchquerten. (Das war ein Aspekt, der in der Kampagne seltsamerweise nicht thematisiert wurde.)

Diese Kampagne zeigt mir heute, dass Settings wie die Wilderlands of High Fantasy, die ja eigentlich nur einen sehr kleinen Ausschnitt ihrer Welt zeigen, für ein ganzes Spielleiterleben reichen (können). Ich hatte zwar eine Vorstellung der weiteren “Welt des Wolfes” außerhalb der unmittelbaren Geschehens, aber es gab weder die Gelegenheit noch die Notwendigkeit sie auszuarbeiten (auch wenn Ereignisse aus diesen Regionen – Caedwyn, Mondsee und wie sie alle hießen – auf den Grimwald ausstrahlten).

Bei jeder Kampagne, die ich danach begann (oder beginnen wollte, siehe Greyhawk-Realms), habe ich mich leider immer mehr von den kommerziellen Settings mit ihren gewaltigen Regionen und Kontinenten blenden lassen und mehr vorbereiten wollen, als ich jemals gebraucht hätte.
Heute bin wieder zum “Design in Play” zurückgekehrt. Ganz ehrlich, es macht auch mehr Spaß, einer Welt beim Wachsen und Gedeihen zuzusehen.

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3 Antworten zu Die Welt des Wolfes

  1. Alex Schroeder schreibt:

    Das sind ja super schön gezeichnete Karten wo man sogar noch die Hand des Schöpfers an der Buntstiftschraffur sieht.

    Für meine eigenen Kampagnen hätte ich Angst, dass ich keine weiteren Details hinzufügen könnte, ohne alles neu zeichnen zu müssen. Ist das bei dir nicht vorgekommen oder hat es dich nicht gestört? (Oder ist es nur genau das eine Mal vorgekommen, wegen der Zeitreise?)

  2. Mondbuchstaben schreibt:

    Zu dem Aspekt der “Handgemachtheit” kommt am Samstag noch ein Beitrag, mein Abschlusspost zu diesem Carnival.

    Die Karten sind zu einer Zeit entstanden, als digitale Manipulation noch nicht verbreitet war – was nicht heißt, dass ich nicht auch technische Hilfsmittel benutzt hätte. Mein Arbeitswerkzeug war der Fotokopierer.
    Meine Güte, ich habe in Copyshops gewohnt und bin überhaupt nicht damit klargekommen, dass die Geräte mit der Zeit immer “schlauer” wurden und mich mit automatischen Bild”verbesserungs”maßnahmen in den Wahnsinn treiben wollten. Effekte, die ich durch Helligkeitseinstellungen usw. absichtlich erzielen wollte, gingen irgendwann nicht mehr…

    Die Karten sind mit Füller (mit schwarzer Tintenpatrone, natürlich) auf 08/15-Schreibblockpapier gezeichnet. Es hat in der Tat bis auf die große Änderung der Zeitreise (Änderung von Namen der Regionen, Ruinen an der Stelle von Städten) keine Ereignisse gegeben, die einen Eingriff in die Geografie dargestellt hätten.

    Details hätte ich jederzeit hinzufügen können. Dann hätte ich einfach die Karte nochmal fotokopiert und angemalt. (So ist ja die Post-Zeitreise-Karte entstanden: Ich habe einfach auf einer s/w-Kopie der s/w-Originalkarte Teile überklebt, neu gezeichnet, wieder kopiert und dann coloriert.)

    Theoretisch hätte ich sogar Änderungen im Stil von “ups, Tarsis ist gar keine Hafenstadt, das Meer liegt 100 km weiter westlich” machen können, weil die Karten keine objektiven Masterkarten waren, sondern das bildhaft darstellten, was die Charaktere über eine Region wussten.
    Sie haben auch nicht sofort, wenn sie die Kanten einer Karte verließen, eine neue Karte von mir bekommen. Erst wenn sie ein paar Tage/Wochen Kontakt mit Einheimischen/Zugang zu einer Bibliothek o.ä. hatten, gab es eine “offizielle” Erweiterung der Welt.

    Reisezeiten habe ich übrigens mit dem Hex-Overlay aus der Forgotten-Realms-Box abgehandelt.

  3. Pingback: A Month Of Awesome Maps – RPG Cartography Carnival « A character for every game

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