Das Gesicht von D&D

James Maliszewski verabschiedet sich in seinem Blog Grognardia seit geraumer Zeit mit der “Freitagsfrage” ins Wochenende. Letzten Freitag lautete sie:

“Wenn du an Dungeons & Dragons denkst, welches Cover kommt dir als erstes in den Sinn?”

Es wird niemanden verwundern, wenn sich mir sofort Larry Elmores “Roter Drache” aufdrängt. Schließlich ist dies das Motiv, mit dem sich D&D auf dem deutschen Markt vorstellte, und das erste Rollenspielprodukt, das ich besaß:

Dabei war dies die D&D-Version, die ich nach zwei oder drei Sessions zugunsten von AD&D habe aufgeben müssen. Die Basis-Box habe ich zwar verschlungen und verehrt, gespielt habe ich sie – auch später – nur selten.
Das D&D-Cover, das ich am längsten und häufigsten auf dem eigenen Spieltisch gesehen habe, ist das “Red Idol”-Cover von Dave Trampier (noch dazu doppekt und dreifach, weil beinahe jeder Spieler ein eigenes Buch hatte). Als “Zuspätkommer” musste ich hingegen mit Jeff Easleys “Blauen Magier” vorlieb nehmen – TSR hatte das Äußere seiner Bücher schon modernisiert, als ich mir mein eigenes Players Handbook kaufte.

Dennoch haben weder Elmores roter Drache noch Trampiers rote Statue die Nachhaltigkeit, stellvertretend für meine gesamte Zeit mit Dungeons & Dragons zu stehen. Das tun zwei andere (AD&D-)Motive, die ich nur kurz später entdeckte und die mich lange Jahre begleiteten:

……

Clyde Caldwells Cover zu Dragons of Despair hat mich sofort überzeugt, das erste Dragonlance-Modul blind zu kaufen. Hier war alles zusammengefasst, was ich unter D&D verstand: eine mysteröse Umgebung, die darauf wartet, erkundet zu werden (die Ruine einer ganzen Stadt???) und eine Heldengruppe, die gemeinsam gegen einen garstigen Gegner vorgeht (noch dazu einen Drachen, der nicht zur klischeehaften, feuerspeienden Art gehörte). Dragonlance sollte für die ersten Jahre meines Spielleiter-Daseins prägend sein – im Guten wie im Schlechten.
Das zweite Motiv, Larry Elmores Dragons of Light, hat eher zufällig die Chance erhalten, sich in meine Netzhaut zu brennen. Mir wäre Caldwells Ansicht der Ruinenstadt von Xak Tsaroth lieber gewesen, aber Elmores Darstellung von Foghaven Vale war eines der wenigen Motive, die TSR damals als Poster zum Verkauf angeboten hat… dafür dürfte es das Rollenspielmotiv sein, dem ich am längsten und ausdauerndsten ausgesetzt war.

Aber wenn es darum geht, welches Cover ich am meisten mit dem Hobby “Rollenspiel” verbinde, dann dieses:

Dieses Motiv von Josef Ochmann war lange das Aushängeschild von Midgard. Es zierte sowohl das Regelbuch der zweiten Edition als auch die Einsteigerbox der dritten Edition.
Diese Szenerie hat mich derart gefangen genommen, dass ich sie als Werbeposter für die Rollenspiel-für-Einsteiger-Runde im Spieleladen in Hannover verwendete. Fünf Jahre lang hing es in der Tür des Ladens am Schwarzen Bären und lud gewöhnliche Brettspieler und Rollenspielumsteiger dazu ein, Midgard auszuprobieren.

Seitdem habe ich viele Cover (und die dazugehörigen Spiele) kommen und gehen gesehen, aber kaum eines hat je wieder “zu mir gesprochen”, auch wenn ich manche handwerklich oder künstlerisch sehr gelungen fand. Ausgerechnet ein 4e-Cover hätte sich zu einer harten Konkurrenz für Xak Tsaroth entwickeln können, wenn das System dahinter mich mehr begeistert hätte. Aber dass WotC dieses Motiv gar nicht für das Players Handbook verwendete, sondern für den Block der Charakterbögen, hat mir den Spaß schon im Vorfeld wieder verleidet.

Erst Swords & Wizardry, auf dem Peter Mullen in einem verspielt-ironischen Stil gleichzeitig das rote Idol zitierte und sich vor dem “naiven” D&D-Frühwerk der Sutherland-Trampier-Otus-Schule verneigte, hat mir ein neues Lieblingscover beschert:

Ich lasse es noch ein wenig sacken. Mal sehen, ob es einen Tag geben wird, an dem ich die Frage nach dem typischen Dungeons & Dragons-Cover mit Peter Mullen beantworte… was das System angeht, hat das Buch die Frage schon gewonnen.

Und hier wird es Zeit für eine deutsche “Montagsfrage”:

“Wenn du an Das Schwarze Auge denkst, welches Cover kommt dir als erstes in den Sinn?”

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8 Antworten zu Das Gesicht von D&D

  1. Mondbuchstaben schreibt:

    Für mich selbst sind es diese Cover:

    Abenteuer Ausbau Spiel
    Unter dem Nordlicht

    Beide haben diese typische deutsche Märchenbuch-Naivität, die ich mit den frühen DSA-Produkten verbinde (aus der Zeit, in der ich aktiv DSA-Sachen gekauft und gelesen habe).

  2. Marcus schreibt:

    Das Midgard-Cover finde ich stark! Kannte ich vorher nicht, aber das sieht auch total nach Abenteuer aus. Verbirgt sich unter dem Schloss gar ein Megadungeon? Cool cool :D Daumen hoch!

    Habe auf deine DSA-Frage in meinem Blog geantwortet.

    Viele Grüße,
    Marcus

  3. Robert schreibt:

    Für mich ist es das Cover der Basisbox der 2. Edition.
    Liegt wahrscheinlich dran, dass es das erste RPG war, das ich gekauft hab.
    Und heute hats halt nur noch den Charme der alten Zeit…

    Die Helden des Schwarzen Auges

  4. Mondbuchstaben schreibt:

    In der besagten Einsteigerrunde im Laden hat dieses Bild tatsächlich als Motivation für eines der Schlüsselabenteuer der Kampagne gedient. (Es gab 4-5 Stammspieler, die immer dabei waren, und 1-2 Gäste/Neulinge, weshalb die Runde langfristig doch eine fortlaufende Handlung und nicht nur abgeschlossene Einzelabenteuer erlebte.)

    Die Burg auf dem Felsen war Caer Morgûl, die verborgene/verschollene Festung eines mythischen Erzmagiers (Gesinnung: ambivalent). Aber es verbarg sich kein Megadungeon unter ihr. Den Raumplan der Burg lieh ich mir aus einem Dungeon-Magazinabenteuer.
    Und das Abenteuer war auch keine Verlies-Prügelei, sondern eine von Misstrauen erfüllte Verhandlung, deren stärkste Argumente letztlich doch “Mantel, Schwert und Zauberstab” waren.

  5. Frau Staenki schreibt:

    Abenteuer Ausbauspiel, denke ich auch. Das Cover der ersten Basisbox ist einfach zu verworren gewesen, als das man es klar vor Augfen haben könnte …

  6. Rána schreibt:

    Also, bei Midgard denke ich sofort an das Cover, das du hier zeigst. Bei AD&D denke ich eigentlich nur “Orange”. ;) Und sonst kenn ich ja kaum Regelwerke. Mit DSA jedenfalls verbinde ich absolut kein Bild.

  7. Stefan schreibt:

    Das „Swords & Wizardry“-Cover hat einen Charme, dem man sich nicht entziehen kann. Der Stil gefällt mir sehr gut.

  8. Mondbuchstaben schreibt:

    Ja, nicht wahr?

    Ach, wenn ich könnte, wie ich wollte, könnte ich auf noch ein weiteres Mullen-Cover verweisen, das mein bisheriges Lieblingswerk von ihm ist – aber es ist noch nicht erschienen…

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